Hühnerrassen

Aus einer der ursprünglichen Ur-Huhn-Arten, dem Bankivahuhn, Buschhuhn und/oder dem Sonnerathuhn, wurden mannigfaltige Hühnerrassen im Laufe der Jahrhunderte (wenn nicht Jahrtausende, sofern man Angaben glauben darf, dass bereits vor 2800 Jahren Hühner in China gezüchtet worden sind und erste schriftliche Erwähnung fanden) unterschiedlichster Eigenheiten und Besonderheiten gezüchtet. Genau genommen gibt es Hypothesen, die aufgrund von Bildfunden eine Hühnerzucht - aus welchen Gründen auch immer - bereits vor über 4000 Jahren in Indien nahelegen. Marco Polo jedenfalls erwähnte offenbar in seinen Dokumentationen seine Beobachtungen zur Domestikation der Hühnervögel in China, wo er auf gezähmte, "schwarzhäutige" Seidenhühner verwies.

In Europa hielt das Huhn jedoch erst später Einzug, die Römer schätzten die Tiere offenbar nicht nur wegen ihrer nahrhaften Eigenschaften, sondern auch wegen des unterhaltenden Aspekts der Hahnenkämpfe. Nichtsdestotrotz waren es Menschen aus dem Mittelmeerraum, die begonnen, die Legeeigenschaften optimiert heraus zu züchten: die Leghorn-Rasse, ursprünglich aus Livorno, und die "Italiener" geben noch heute Kunde von diesen Zuchtversuchen, die auch die ersten im europäischen Mittelalter sein sollten, von denen Dokumentation überliefert ist.

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Bankiva (Hähne) Das Bankivahuhn ist kleiner als seine Nachzuchten und legt nur 20 Eier im Jahr.

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Bankiva (Henne) aus dem Uhlenkolk (Mölln)

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Infotafel aus der Haustierarche Lelkendorf

Grundsätzlich kann bei den bestehenden rund 180 anerkannten Rassen grob zwischen Nutzgeflügel und Ziergeflügel aufgeteilt werden. Beim Nutzgeflügel wiederum wird unter Legerassen, Fleischrassen und Zwiehuhnrassen, bei denen sowohl eine probate Legeleistung als auch ein guter Fleischansatz bei den Hähnen zu erwarten ist, unterschieden. Die Rassen verfügen dann zudem noch über unterschiedliche Farbschläge und Federzeichnungen.

Stets stand die Optimierung besonderer Eigenschaften im Vordergrund: entweder eine gesteigerte Legeleistung, besserer Fleischansatz, besondere Farbausprägungen, Federbeschaffenheit und -Musterung. Abhängig vom Zuchtziel ergaben sich so die buntesten und unterschiedlichsten Hühnerrassen und Typen - die Großformen, Mittelformen und Zwergformen.

Für die Legebetriebe werden mittlerweile Kreuzungen aus bestimmten Zuchtlinien mit ausgeprägten Eigenschaften, sogenannte Hybriden oder Hybridhennen gezüchtet, die auf eine Legeleistung von täglich einem Ei im ersten Legezyklus ausgelegt sind. An diese Hybridhennen kommt allerdings keine der alten (oder auch modernen) Rassen heran. Diese zeichnen sich vielmehr durch eine ansprechende Optik aus, es gelten aber auch die "ursprünglichen" Legehühner mit rund 200 - 300 Eiern im Jahr durchaus als weiterhin erhaltenswerte Rassen. Damit unterscheiden sich die Zuchtrassen bereits grundsätzlich vom natürlichen Zyklus der Wildarten, welche nur im Frühjahr legen und brüten. Auch sind die Hähne der Wildarten nicht ganzjährig aktiv, sondern legen sich zur sexuell aktivsten Zeit ein Werbungsgefieder zu, welches im fortschreitenden Jahr dann vom Ruhegefieder abgelöst wird.

Neben unzähligen (im Standard landesabhängigen) Hühner-Rassen legt sich dem Hühnerliebhaber ein erweitertes Spektrum urtypischer Rassen auch noch anhand der verzwergten Großrassen wie auch der wenigen eigentlichen Zwergrassen dar. Im Folgenden soll eine kleine Auswahl aussterbender und typischer Hühnerrassen einen - mit Sicherheit unvollständigen - Eindruck vom Spektrum der bunten Hühnerzucht bieten und eine Entscheidungshilfe für Hühner-Neulinge bieten.