Hühner-Hof Logo

Westfälische Totleger

robust, quirlig, frohwüchsig, frühreif

Westfälische Totleger Hühner

Steckbrief: Westfälische Totleger

Herkunftsland

Deutschland

Eigenschaften

robust, quirlig, frohwüchsig, frühreif

Farbschläge

goldsprenkel, silbersprenkel

Eier

65 g

Farbe der Eier: Weiß

Mindestgewicht für Bruteier

53 g

Legeleistung

200 Eier / Jahr

Gewicht Hahn und Henne

Huhn: 1,5 - 2 kg, Hahn: 2 - 2,5 kg

Brutlust

10 %

Flugfähigkeit

100 %

Platzbedarf

100 %

Westfälische Totleger legen sich nicht zu Tode und haben auch keine auffällig hohen Ausfälle bei der Nachzucht. Es handelt sich sogar um eine sehr robuste und vitale Hühnerrasse. Diese hieß einst Alltagsleger oder Dauerleger. Letzteres wird im Plattdeutschen „Daudtleijer“ ausgesprochen. Ins Hochdeutsche wurde also „Westfälische Totleger“ übernommen.

Haltung

Westfälische Totleger sind es als Hühnerrasse gewohnt, dass sie weit umherstreifen und einen Großteil vom Futter selber suchen. Deswegen brauchen sie viel Auslauf oder sollen direkt freilaufend gehalten werden. Wer eine Fläche einzäunt, der soll einen sehr hohen oder einen nach oben gesicherten Zaun aufbauen.

Schwierige Wetterlagen bereiten diesen Hühnern kaum Probleme, die mit ihrem kleinen Rosenkamm wenig Angst vor Erfrierungen haben müssen.

Westfälische Totleger selektieren bei der Futtersuche sehr sicher Giftpflanzen aus. Eingeweichte Brotreste, Reste von gekochten Kartoffeln oder ähnlich verwertbare Reste können gut mit ein paar Körnern als Futter gegeben werden. Weiterhin benötigen die Hühner einen Hühnerstall, stellen an diesen jedoch keine hohen Ansprüche. Insgesamt sind diese Hühner damit einfach zu halten.

Eier und Legeleistung

Die frühreifen Legehühner schaffen 180 bis 200 Eier im ersten vollen Legejahr, im zweiten etwas weniger. Einige Zuchtlinien kommen sogar auf 220 Eier im ersten Legejahr. Die weißen Eier sind 50 bis 65 Gramm schwer. Die Hennen der Westfälischen Totleger gelten als Nichtbrüter. Wer die Bruteier keinen anderen Hennen unterschiebt, der kann sie gut für die Kunstbrut verwenden. Werden die Küken jedoch von Leihhennen ausgebrütet und geführt, dann gewöhnen sie sich das Futtersuchen umso intensiver an.

Totleger Jungtier

Küken

Westfälische Totleger haben bereits robuste Küken, die deswegen aber nicht überbeansprucht werden dürfen. Doch sie können deutlich mehr ab, als Küken anderer Rassen, auch da sie sich sehr schnell befiedern. Es wird berichtet, dass die Küken schon nach einer Woche hüpfend fliegen, wenn sie ein Ziel nicht laufend erreichen können. Nach vier Wochen sind die Küken bereits voll befiedert, nach sechs bis acht Wochen lassen sich die Geschlechter auseinanderhalten.

Hahnenküken zeigen ein deutlich erkennbares Dreieck auf dem Kopf, bei Hennenküken ist der Kopf dunkel oder mit einer feinen Zeichnung auf dunklem Grund zu erkennen.

Die Hähnchen bilden den roten Rosenkamm früher aus. Hennen sind nach 14 Wochen fast ausgewachsen, Hähne erst nach sechs Monaten. Solange die Hähne gemeinsam aufwachsen, bleiben sie untereinander friedlich, können ansonsten untereinander allerdings aggressiv werden.

Farbschläge

Anerkannte Farbschläge:

gold gesprenkelt

Westfälische Totleger goldsprenkel

silber gesprenkelt

Westfälische Totleger Hühner

Gut zu wissen

  • Es wird Hennen der Westfälischen Totleger nachgesagt, dass sie bis zu ihrem natürlichen Tot Eier legen. Das ist für Hühner untypisch. In jedem Fall legt diese alte Rasse außergewöhnlich lange relativ viele Eier.
  • Im Jahr 1994 wurden Westfälische Totleger zusammen mit der Diepholzer Gans und der Pommernente zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ gekürt.
  • Westfälische Totleger sind nicht als Winterleger bekannt. Da die Hennen kaum brütig werden und in der Mauser weiter legen, ist die Legephase dennoch sehr lang.
  • Nahe Verwandte sind Brakel und Ostfriesische Möwen. Westfälische Totleger haben jedoch einen Rosenkamm sowie Hähne der Ostfriesischen Möwen abgesehen der Schwanzfedern komplett weiß ohne Sprenkelung sind.
  • Unter den gesprenkelten Landhühnern sind Westfälische Totleger nach den Brakeln derzeit die schwersten lebenden Sprenkelhühner.
  • Westfälische Totleger zählen zu den Nicht-Brütern. Wer die Tiere weniger auf Leistung züchtet oder füttert und einen ansprechenden Lebensraum bietet, der findet dennoch gelegentlich eine brütende Henne, die ihre Küken zuverlässig führen wird.
  • Selbst wenn ein Schwerpunkt auf der Legeleistung liegt, so dürfen die Hühner nicht zu leicht werden und müssen sich als Tafelhuhn eignen.
  • Bereits im Jahre 1600 werden Westfälische Totleger erstmalig durch einen Holzschnitt von Aldrovandi als ?Türkisches Huhn? erwähnt. Die Merkmale gleichen sehr dem Westfälischen Totleger, der jedoch erst um 1800 anderweitig schriftlich erwähnt und umschrieben wurde. Es gibt die These, dass diese Hühner weniger vom Türkischen Huhn als vom Deutschen Landhuhn abstammen.
  • Westfälische Totleger liefen in ihrer Entstehungsphase frei herum und mussten weitgehend aus eigener Kraft überleben. Der Halter kann sie zähmen und die neugierigen Hühner fressen dann aus der Hand. Es werden dennoch keine Schoßtiere. Die Hühner bleiben immer etwas misstrauisch und Jungtiere sind kaum zu fangen, wenn sie einmal im Fluchtmodus sind.
  • Neben Alltagsleger und Dauerleger waren Westfälische Totleger einst auch als Hamburger Silbersprenkel bekannt.

Die Hühnerrasse Westfälische Totleger

Ursprünge der Westfälischen Totleger

Die Westfälischen Totleger gehören zu den inzwischen seltenen gesprenkelten Landhühnern, die einst im Nordseeraum sehr häufig vorkamen. Die Ursprünge dieser gesprenkelten Landhühner liegen vermutlich in der Grenzregion zwischen Persien und Südrussland entlang der alten Seidenstraße. Bereits um 1200 haben die Niederländer diese Sprenkelhühner im nordwesteuropäischen Raum verbreitet.

Der Urstamm der Westfälischen Totleger geht bis mindestens 1600 zurück, wird als ?Türkisches Huhn? bezeichnet und wurde vermutlich durch fahrende Händler etabliert. Die Vorläufer, die sich bereits Westfälische Totleger nennen können, sind ab ca. 1800 nachweisbar.

Das Ursprungsgebiet der Westfälischen Totleger befindet sich in Ostwestfalen in der Umgebung von Herford und Bielefeld. Die Anfänge dieser Leistungshühner werden auf das nahe Ravensburger Hügelland zurückgeführt. Im rauen Klima mussten sie bestehen und als ?Arme Leute Huhn? zugleich den Großteil von ihrem Futter selber finden. Damit sind diese Hühner bis heute sehr bewegungsfreudig und vital und eigneten sich perfekt für den Nordseeraum, den sie schnell eroberten.

Entwicklung der Rasse Westfälische Totleger

Eine Theorie besagt, dass das sogenannte „Türkische Huhn“ der Urstamm der Westfälischen Totleger ist. Es wird außerdem vermutet, dass sich Sprenkelhühner mit Landhühnern aus dem Ravensburger Land kreuzten, womit sich in schwierigen Verhältnissen nach und nach die robusten und fleißig suchenden Westfälischen Totleger hervorbildeten. Letztendlich können beide Thesen stimmen.

Wenn die Anfänge bis wenigstens 1600 zurückreichen, dann wurden diese gesprenkelten Landhühner lange Zeit eher unbewusst selektiert. Um 1850 setzte ausgehend von der englischen Königin Queen Victoria unter Bessergestellten ein Trend ein, Hühner zum Freizeitvertreib gezielt zu züchten und Rassestandards festzulegen.

Noch etwas länger gab es merkliche regionale Unterschiede innerhalb der Westfälischen Totleger, die ebenfalls ihren Rassestandard erhielten und von nun an in Form gebracht wurden. Die Züchter stabilisierten die bestehenden gesprenkelten Landhühner auf ihre positiven Eigenschaften. Für die bessere Nutzung als Tafelhuhn wurde zugleich auf mehr Masse gezüchtet.

Trotz der guten Leistungsmerkmale und der Vitalität konnten sich Westfälische Totleger in keiner Phase ihrer Geschichte als kommerzielle Hühner durchsetzen. Sie wurden immer nur in kleinen Beständen gehalten oder liefen auf den Höfen umher.

Heutige Bedeutung der Westfälischen Totleger

Das robuste und wirtschaftliche Zwiehuhn hat sich aus dem Bielefelder-Raum zuerst in alle Nordseeländer, dann in ganz Deutschland verbreitet und war häufig anzutreffen. Heute sind die selten gewordenen Westfälischen Totleger auf ihren Sonderverein angewiesen, der in der Erhaltungszucht zugleich den Rassestandard einhält. Westfälische Totleger werden damit zu Hobby-, Selbstversorger- und Liebhaberhühnern, die auch als Ausstellungshühner gezüchtet werden.

Zuchtbemühungen und Maßnahmen zum Rassenerhalt

Westfälische Totleger entstanden vermutlich aus purem Zufall aus eingebürgerten Sprenkelhühnern und heimischen Landhühnern. Die Leute lebten bescheiden und haben sich wenig um ihre Hühner gekümmert, aber doch bereits selektiert und gute Zuchtlinien verbreitet. Unter diesen schwierigen Bedingungen fand eine weitere Selektion statt – nur die robustesten Küken überlebten, um sich anschließend fortzupflanzen.

Das weit verbreitete Zwiehuhn erlebte aufgrund der eingebürgerten asiatischen Rassen und Neuzüchtungen ab 1880 einen Rückgang, der auch viele andere heimische Rassen erfasste, die damit in ihrer Existenz bedroht waren. Damit gründete sich 1895 die Vereinigung der Züchter deutscher Landhuhnrassen ?Germania?. Aus dieser ging 1904 die Vereinigung der Totlegerzüchter hervor, mit der zugleich Zuchtstandards erstellt und befolgt wurden.

Das rettete die Westfälischen Totleger vor dem Aussterben und sie wurden zugleich einheitlicher. Dennoch blieb diese Hühnerrasse weiterhin rückläufig und erlebte in den 1980er Jahren ihren bisherigen Tiefpunkt. Ab 1988 konnte der neu formierte Vorstand vom ?Sonderverein der Züchter des Westfälischen Totlegerhuhns? diese alten Sprenkelhühner wieder stabilisieren.

Waren die erfassten Zuchtbestände nach der Jahrtausendwende zuerst bei über 1000 bis über 1500 Hennen und 250 bis 340 Hähne einigermaßen stabil, so sind diese seit 2009 wieder rückläufig. Im Jahr 2016 wurden 798 Hennen und 176 Hähne bei 112 Züchtern gezählt. 514 Hennen und 110 Hähne bei 65 Züchtern entfallen auf die silbernen, 284 Hennen und 66 Hähne bei 47 Züchtern entfallen auf die goldenen Westfälischen Totleger. Damit nennt die ?Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland? (TGRDEU) für Westfälische Totleger innerhalb der Roten Liste der ?Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen? (GEH e.V.)  die Kategorie II (stark gefährdet).

Zuchtziele der Westfälischen Totleger

Die legefreudigen und mittelschweren Hühner sollen eine tiefe, volle und gerundete kräftige Landhuhnform in mittelhoher Stellung mit Legebauch bei der Henne und Brustfülle beim Hahn ausprägen. Der gedrungene Hahn weist mit der Grundfarbe gold oder silber durch den Hals- und Sattelbehang an den Schultern und dem Rücken keine Zeichnung auf. Der Sattelbehang ist häufig etwas dunkler. Der Hahnenschwanz und das Restgefieder kann schwarz oder gesprenkelt wirken, ist jedoch wenigstens etwas gesprenkelt. Bei den Hennen erscheint nur der Halsbereich in der Grundfarbe, das restliche Federkleid ist gesprenkelt. Die Federfärbung ist etwas heller, als bei den Hähnen. Insgesamt ist die Befiederung straff, fest anliegend und voll. Auch im Gesicht finden sich kleine Federn.

Der Hahn bildet einen voll besichelten und fast winkelig hoch getragenen Hahnenschwanz mit wenig gefächerten Steuerfedern. Auch die Hennen tragen ihre Schwanzfedern hoch.

Im Gegensatz zu anderen Sprenkelhühnern bilden Westfälische Totleger einen fein geperlten Rosenkamm, der keine Fleischzapfen aufweist. Die Hennen haben meistens nur einen kleinen Wulst, beim Hahn hebt sich der dennoch kleine Rosenkamm deutlicher ab. Die Ohrscheiben sind weiß oder bläulich weiß. Die mittellangen Kehllappen und das Gesicht sind wiederum rot, die Läufe blau grau sowie die Schnäbel eine bläuliche Hornfarbe aufweisen. Die Augen sind meist dunkelbraun.

Die Legeleistung der frühreifen Hühner liegt in der Erhaltungszucht im Vordergrund, wobei auf das Gewicht ebenfalls geachtet wird. Dadurch zeichnen sich diese Hühner als Zwiehühner aus. Westfälische Totleger sollen bereits mit ihren frohwüchsigen und schnell befiederten Küken robust sein und ein lebhaftes Wesen ausprägen.

Kurz und bündig lauten die Zuchtziele:

  • Erhalt der gesprenkelten Farbschläge
  • mittelhohe Stellung, gedrungener Körperbau, volle Befiederung
  • robustes, frühreifes und aktives Huhn im Landhuhnschlag
  • fein geperlter Rosenkamm, mittellange Kehllappen, kleine Ohrlappen
  • hohe und lang anhaltende Legeleistung mit zugleich genügendem Fleischansatz
  • robuste und frohwüchsige Küken
  • Gesunderhaltung der Gene