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Brakel

robust, anfängerfreundlich, scheue Hühner

Brakel Hühner

Steckbrief: Brakel

Eier

55 g

Farbe der Eier: Weiß

Mindestgewicht für Bruteier

55 g

Legeleistung

180 Eier / Jahr

Gewicht Hahn und Henne

Huhn: 1,75 - 2,25 kg, Hahn: 2,25 - 2,75 kg

Brutlust

10 %

Flugfähigkeit

90 %

Platzbedarf

60 %

Haltung

Einst liefen die Brakel Hühner in der warmen Jahreszeit über das Land und suchten nach Insekten, Würmern, Früchten, Körnen und Grünfutter. Am Abend gab es nur eine kleine Ration Hühnerfutter. Deswegen mussten diese Hühner dem rauen Seewetter widerstehen, womit die stärksten und robustesten Exemplare die Population dominierten. Auch deshalb sind die Brakel Hühner auch heute noch sehr robust.

Je nach Verhalten vom Halter können diese sogar zutraulich, aber nie handzahm werden. Die Hühner werden immer darauf achten, nicht gegriffen, gehalten oder gestreichelt zu werden. Sie sind lebhaft, ausdauernd und dadurch sehr aktiv. Deswegen brauchen sie im Freilauf viel Abwechslung, um Beschäftigung zu finden.

Brakel Hühner im großen Auslauf

Aus diesen Gründen brauchen Brakel unbedingt einen Auslauf von mindestens mittlerer Größe. Da sie für Haushühner sehr gut fliegen können, müsste der Hühnerzaun entweder hoch oder der Auslauf vollständig überdacht sein. Optimal wäre es also, wenn der Halter über ein großes Gelände ohne sonderliche Gefahren verfügt und diese Hühner frei laufen lässt. Das kommt ihm bei den Futterkosten entgegen.

In Belgien machte sich einst sogar ein Trend breit, die Brakel Hühner als Kompostaufbereiter zu verwenden. Von dem Kompostmaterial fressen sie, was noch gut für sie ist und auch den ein oder anderen Kompostwurm. Es ist vielfach einfacher, den Gemüsegarten als den Auslauf der Brakel einzuzäunen.

Als Hühnerrasse sind die Brakel schnellreif. Die Hennen beginnen bereits nach rund 4,5 Monaten mit dem Eierlegen. Die Hähne erreichen relativ schnell etwas Gewicht. Das Fleisch der Brakel schmeckt ein klein wenig nach Wild und ist von fester weißer Beschaffenheit. Es gilt in Belgien als Delikatesse.

Eier und Legeleistung

Bis zu 65 Gramm wiegen die weißen Eier der Brakel Hennen.

Das Mindestgewicht für Bruteier beträgt 55 Gramm.

Die Hühner werden fast nie brütig und legen im ersten vollen Legejahr 180 Eier, die für die Kunstbrut sehr gut geeignet sind. Alternativ werden die Eier Leihmüttern untergeschoben. Brakel sind keine typischen Winterleger. Wird das Futter knapp, kann die Legeleistung deutlich leiden und durch eine angepasste Beifütterung wieder normalisiert werden.

Küken

Die Küken wachsen schnell und sind recht robust.

Farbschläge

In Deutschland und Belgien anerkannte Farbschläge von Brakel

  • silber (auf schwarz quer gebändert)
  • gold (auf schwarz quer gebändert)
  • gelb weiß gebändert (chamois)
  • blau
  • schwarz
  • weiß
  • weißgeblümt

Dort, wo Brakel als Hühnerrasse anerkannt werden, sind immer die heute noch häufigen sowie urtypischen Farbschläge Silber und Gold anerkannt. Häufig wird auch der Chamois-Farbschlag anerkannt. Die anderen Farbschläge erscheinen aber nur dort in den Rassestandards, wo das Brakel entweder Geschichte hat, oder in heutiger Zeit noch sehr beliebt ist.

Alle Farbschläge weisen die rassetypische dunkle Pigmentierung zum mittelgroßen Kopf auf, womit dieser sehr dunkel wirkt. Das Auge mit schwarzer Iris erscheint damit als schwarzes Knopfauge. Bei Hennen geht diese Pigmentierung bis zum Kamm, womit dessen Basis sich purpurrot absetzt. Weiterhin sind bei allen Farbschlägen die feinknochigen Läufe schieferblau und die mittelgroßen Ohrscheiben weiß bis bläulich weiß. Die Zehen haben weiße Nägel.

Der silberne Farbschlag hat am Kopf und dem Halsbehang rein weiße Federn, die zum Grund etwas schwärzlich sind. Der Rücken und Sattelbehang vom Hahn sind weiß, wobei die nicht sichtbaren oberen Federhälften gezeichnet sind. Die anderen Federpartien sind mit weißen Streifen auf schwarzen Grund quer gebändert.

Brakel Farbschlag silber

Auf der Brust sind die weißen Querbänderungen breiter und nehmen nach hinten ab, womit die Brakel nach hinten merklich oder ein klein wenig dunkler werden. Der Hahnenschwanz wirkt weniger gebändert und die Innenfahnen und Steuerfedern sollen nicht einmal eine Zeichnung aufweisen. Die Hauptsicheln sollen nicht durchgezogen quer gebändert sein. Bei den Nebensicheln wäre diese Bänderung jedoch erwünscht.

Der goldene Farbschlag hat anstelle der silbernen lediglich goldene Federn. Die anderen Farbschläge sind sehr selten und bei der Zwergform nicht einmal vorhanden.

Brakel - Farbschlag gold

Gut zu wissen

  • 1891 erklärte das belgische Landwirtschaftsministerium die Brakel neben den aus Holland stammenden Campinern zur meist gehaltenen belgischen Hühnerrasse, die zugleich exzellente Eierleger sind.
  • Wer sich speziell für Brakel Hühner interessiert und die niederländische Sprache flüssig lesen kann, dem wird das 1983 erstmals erschiene Buch ?Het Brakelhoen? empfohlen. Hier wird alles Relevante ausgeführt, was man über diese Hühnerrasse weiß oder vermutet.
  • Neben der Großform gibt es auch die Zwerg-Brakel in den Farbschlägen silber und gold quer gebändert. Diese Zwergform ist das Ebenbild der Brakel Hühner, sie ist jedoch schwerer zu züchten.

Die Hühnerrasse Brakel

Ursprünge der Brakel Hühner

Das Brakel Huhn ist eine der ältesten Landhuhnrassen überhaupt und stammt aus Belgien. Mit dem Alter bleibt auch vieles im Schatten der Vergangenheit. Einige Farbschläge vom Brakel Huhn sind bereits ausgestorben, die ganze Hühnerrasse war um 1970 in Belgien ebenfalls fast ausgestorben.

Diese zwischenzeitlich praktisch vergessene wallonische Hühnerrasse, die auch als Brakel bekannt ist, wurde nach den beiden flämischen Ortschaften Op- und Nederbrakel benannt. Bereits 1898 taten sich Züchter als Gemeinschaft in Nederbrakel zusammen. Diese Gemeinde aus Ostflandern heißt heute Brakel.

Ab bereits dieser Zeit findet eine gezielte Zucht dieser Sprenkelhühner statt. Es gibt sogar eine Notarsakte aus dem Jahre 1416, die besagt, dass ein Handel zwischen Nederbrakel und Oudenaarde mit Campiner-Hühnern bestand, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit die Vorläufer der Brakel sind. Im Laufe der Zeit wurden die schwereren Grammont Hühner eingekreuzt, um größere Hühner zu erhalten. Es entstand damit das Brakel Huhn.

Es gibt jedoch auch Thesen, dass zumindest ein Ahnenteil im 16ten Jahrhundert aus der Türkei die Region erreichte, oder dass dieser Ahnenteil am Brakel Huhn das Bresse Huhn aus Frankreich ist. In diesen frühen Zeiten gab es viele Typen vom Brakel, von denen bereits einige wie das Chaamer Huhn wieder untergingen.

Entwicklung der Rasse Brakel

Ob die Brakel einst als gezielte Züchtung oder zufällig entstanden sind, kann nicht mehr zuverlässig geklärt werden. Es waren halt die Hühner der Bauern. Ab der Zeit um 1850 änderte sich das Interesse an diesen Hühnern, die einst als Unterrasse der Campiner bezeichnet und von Deutschstämmigen in Flandern gehalten wurden. Es war ein internationaler Trend entstanden, einen Rassestandard aufzustellen, die Hühner auf Linie zu züchten und andere Rassen aus fernen Gegenden zu importieren. In dieser Zeit gelangte das Brakel auch in den Norden Deutschlands, wo es dem Wetter besser als andere Hühner trotzen konnte.

Bereits ab 1880 gab es die Brakel auf deutschem Boden. Im Jahr 1895 erhielt der bekannte Geflügelzüchter Arthur Wulf Bruteier vom Brakel und war maßgeblich für die Verbreitung dieser Hühner im Norden von Deutschland verantwortlich. Nach 1900 war es der Rektor Breuer nahe von Köln, der sich diesem Huhn annahm. Im Jahr 1907 gründete sich in Bremen der ?Club deutscher Brakelzüchter? und 1910 in NRW der ?Verein deutscher Brakelzüchter?. Bereits 1914 verschmolzen beide Vereine zum ?Verein deutscher Brakelzüchter?. Deutschland hat seine eigenen Rassestandards und damit eine deutsche Linie der Brakel, die bereits in diesen Jahren durch diese verschmolzenen Vereine gefestigt wurde.

Einst wurden die Brakel in Massen in der Region zwischen Ninove, Qudenaarde und Geraardsbergen gezüchtet und auf den Märkten durch Bruteier und Hühner gehandelt. Dabei setzten die Züchter und die einzelnen Ortschaften ihre eigenen Schwerpunkte, womit Zweige der Brakel bereits eigene Namen erhielten. In der niederländischen Gemeinde Chaam sollten die Hühner orangene Augen bekommen, woanders sollten sie zum Fleischhuhn werden. Das alles wurde so unübersichtlich, dass bald kaum ein Tier noch die Rassestandards von 1898 erfüllen konnte. Mit dem ersten Weltkrieg landeten die meisten Brakel Hühner im Topf. Die anschließende Festigung war mit dem zweiten Weltkrieg wieder zunichte gemacht. Zugleich wurden fremde Rassen wie das Leghorn importiert und löschten die Brakel beinahe aus. 1968 waren fast keine Brakel mehr in Belgien zu finden. 1971 wurde ein neuer Spezialclub gegründet. Beim 25-jährigen Jubiläum waren es 1996 bereits 120 Mitglieder im Spezialclub.

Heutige Bedeutung der Brakel Hühner

Das einstige Leistungshuhn, welches viele Eier und einen besonders delikaten Braten liefert, ist in der heutigen Zeit wirtschaftlich kaum noch interessant. Es sind Selbstversorger, Hobbyhalter mit großer Fläche, Züchter und Aussteller sowie Erhaltungszüchter, die sich den Brakel Hühnern annehmen. Die belgische Linie ist zwischenzeitlich fast ausgestorben. Die deutsche Linie gilt als gefährdet oder stark gefährdet.

Brakel werden nie handzahm und sind deswegen keine Familien- oder Schmusehühner. Es sind Leistungshühner, die auf freier Fläche laufen und sich ihr Futter zum Großteil selber suchen. Es sind allerdings auch sehr schöne Hühner für Aussteller. Wer die Hühner nicht frei laufen lassen kann und keinen großen Auslauf einzäunen will oder kann, für den wären die Brakel ungeeignet.

Zuchtbemühungen und Maßnahmen zum Rassenerhalt

In Belgien gründete sich im Jahr 1971 zum zweiten Mal ein Spezialclub, der die Brakel erhalten soll. Es fanden sich vom belgischen Schlag nur noch fünf Brakel und es dauerte zehn Jahre, diese alte Haushuhnrasse wieder zu festigen und aufblühen zu lassen.

In Deutschland gründete sich bereits aus den Vorläufern von 1907 und 1910 im Jahr 1914 der ?Verein deutscher Brakelzüchter?. In diesem Sonderverein werden die Brakel als deutsche Linie seither gezüchtet und damit erhalten. Dennoch stuft die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. das Brakel Huhn in der Kategorie III als gefährdet ein. Für das Jahr 2013 wurden als Zuchttiere 191 Hähne und 904 Hennen für die verschiedenen Farbschläge gezählt. So viele waren es bereits 1996, dann nahm der Bestand bis 2000 um über ein Drittel zu und viel bis 2008 wieder auf den Ausgangswert ab.

Die Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland zählt für 2016 jedoch nur noch 151 Hähne und 626 Hennen von 88 Züchtern und gibt ein ?stark gefährdet?. Diese Zuchttiere teilen sich allein auf den silbernen und goldenen Farbschlag auf.

Zuchtziele der Brakel

In erster Linie ist das Brakel ein Leistungshuhn. Es ist ein derbe wirkendes, stattliches und dennoch bewegliches Landhuhn von mittelhoher Stellung.

Das Brakel ist als mittelschweres Landhuhn eigentlich schlank, wirkt mit der breiten und hervorgewölbten Brust trotzdem wuchtig. Der ganze Rumpf ist rechteckig breit, weist jedoch keine Kanten auf. Der Hahn nimmt eine aufrechtere Haltung an, wobei die Henne den Rücken schon fast waagerecht trägt und damit tiefergestellt wirkt. Die Hennen haben ein gut entwickeltes Hinterteil mit vollem Legebauch und sind damit bereits als sehr gute Eierleger zu erkennen. Der Rumpf ist ohne Kanten sehr gleichmäßig geformt. Der Kamm der Henne legt sich, wie es bei guten Legehennen typisch ist, zur Seite. Der Hahn trägt den mittelgroßen fünf bis sechsfach gezackten Einfachkamm aufrecht, dieser folgt noch ein kleinwenig der Nackenlinie und ist grob im Gewebe. Auch die Kehllappen sind mittelgroß. Abgesehen der mittelgroßen Ohrscheiben erscheinen diese Kopfpartien in sattem Rot. Das Gesicht ist mit feinen Federchen bestückt.

Federn der Brakel

Die Hennen und Hähne haben einen vollen Halsbehang, die Hähne auch einen vollen Sattelbehang. Sie bilden zudem einen großen breiten Hahnenschwanz mit breiten und gebogenen Sicheln aus, der gerne auch steil getragen wird. Wird er zu flach oder zu steil getragen, ist das ein Fehler. Das Sprenkelgefieder ist gebändert. Die langen Flügel liegen geschlossen an und liegen beim Hahn unter dem Behang. Die Schenkel sind unter den Federn kaum sichtbar. Meist ist der Schnabel blau und die Spitze hornfarbig.