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Deutsches Reichshuhn

robust, kälteunemfindlich, frohwüchsig, zutraulich, winterleger

Deutsches Reichshuhn - Hahn© Roadfun - stock.adobe.com

Steckbrief: Deutsches Reichshuhn

Eier

55 g

Farbe der Eier: Chremfarben

Mindestgewicht für Bruteier

55 g

Legeleistung

180 Eier / Jahr

Gewicht Hahn und Henne

Huhn: 2 - 2,5 kg, Hahn: 2,5 - 3,5 kg

Brutlust

20 %

Flugfähigkeit

40 %

Platzbedarf

70 %

Hinweis

Die Namensgebung des Deutschen Reichshuhns findet ihren Ursprung nicht im Nationalismus nach heutigem Verständnis, sondern im Freiheits- und Gemeinschaftsgedanken.

Das Heilige Römische Reich, welches zum Großteil auf deutschem Boden lag, war ein Verbund aus vielen Fürstentümern, die jedoch keine geschlossene Einheit bildeten. Diese entstand als das Deutsche Reich unter Otto von Bismarck im Jahr 1871 und ging ab 1914 mit dem Ersten Weltkrieg wieder unter.

Die Lehnsherrschaft war überwunden, aus vielen Fürstentümern wurde eine Nation. Die Menschen fühlten sich befreit und als Einheit. Aus diesem Nationalbewusstsein wurde bewusst das Deutsche Reichshuhn erzüchtet. Es floss nicht ein einziges deutsche Huhn ein, die Ahnen stammten aus dem Mittelmeerraum oder hatten asiatische Wurzeln.

Haltung

Deutsche Reichshühner sind einfach zu halten, da sie ein ruhiges, aber dennoch lebendiges Wesen mitbringen. Sie werden mit etwas Pflege schnell handzahm. Zudem ist diese Rasse robust und frohwüchsig.

Die Hühner möchten neben dem geschützten Hühnerstall jedoch einen Auslauf. Wer kann, sollte sie direkt frei laufen lassen. Dann suchen die Hühner in der warmen Jahreszeit einen Großteil vom Futter selber. Ansonsten muss entsprechend mehr gefüttert werden.

Haltung der Deutschen Reichshühner© Roadfun – stock.adobe.com

Auch wenn die Hühner gerne im großen Freilauf umherziehen, fliegen sie kaum. Es reicht bereits ein Zaun mit einer Höhe von 1,20 Metern aus um die Tiere am Platz zu halten.

Deutsche Reichshühner werden durch Landhühner aus dem Mittelmeerraum beeinflusst, sind aber nur mittelmäßig gute Flieger. Ein mittelhoher Zaun reicht, um ihren Auslauf einzugrenzen.

Eier und Legeleistung

Im ersten Jahr legen Deutsche Reichshühner 180, im zweiten noch 140 Eier mit einem Gewicht von 55 Gramm.

Die Hennen legen selbst im Winter sehr zuverlässig.

Die Eier sind rahmgelb in der Farbe. Einige Legelinien schaffen bis über 200 Eier im ersten vollen Legejahr.

Küken

Die Hennen der Deutschen Reichshühner werden nur selten oder nur unter guten Bedingungen brütig. Wer Küken wünscht, sollte die befruchteten Eier von einer Leihhenne oder einer Brutmaschine ausbrüten lassen.

Deutsches Reichshuhn mit Küken© Iurii Gagarin – stock.adobe.comGlucke mit Küken – Leider selten bei den Deutschen Reichshühnern

Die Küken sind frohwüchsig, brauchen in den ersten Wochen jedoch ihren geschützten Bereich mit Wärmelampe, Kükenstarter und Kükenfutter. Dann wachsen sie schnell heran und entwickeln sich gut.

Farbschläge

Anerkannte Farbschläge:

  • weiß
  • weißschwarz-columbia
  • gelbschwarz-columbia
  • gestreift
  • rot
  • schwarz
  • silber-schwarzgesäumt
  • gold-schwarzgesäumt
  • birkenfarbig

Gut zu wissen

  • Die Namensgebung Deutsches Reichshuhn geht auf die alten Farben der Deutschen Fahne zurück: schwarz, rot und weiß. Die Farbschläge silber-schwarzgesäumt, weißschwarz-columbia, gestreift und birkenfarben kombinieren diese namensgebenden Farben.
  • Das Deutsche Reichshuhn besitzt einen Rosenkamm, der den Kopf ziert.
  • Der Erzüchter hatte von Anfang an die Absicht, ein deutsches Nationalhuhn mit guten Wirtschaftseigenschaften zu erschaffen.
  • Als Folge vom Zweiten Weltkrieg und dem Aufkommen der sogenannten Reichsbürger klingt der national angehauchte Name „Deutsche Reichshühner“ inzwischen verwerflich. Dabei steht diese Namensgebung für eine ganz andere geschichtliche Epoche, weswegen der Sonderverein eine Umbenennung verhinderte.
  • Deutsche Reichshühner eignen sich für Halter, die gemütliche, aber nicht zu schwere Hühner halten möchten. Die europäischen Landhühner bringen die Form rein, die schweren Rassen mit asiatischen Wurzeln das ruhige Wesen.
  • Aussteller finden mit dem Deutschen Reichshuhn eine gut ausstellbare und wirkungsvolle Hühnerrasse.
  • Deutsche Zwerg-Reichshühner wurden in den 1930er Jahren erzüchtet. Hähne liegen bei 1,2, Hennen bei 1 kg. Die gelblich-bräunlichen Eier wiegen rund 40 Gramm.

Die Hühnerrasse Deutsches Reichshuhn

Ursprünge der Deutschen Reichshühner

Die ersten Deutschen Reichshühner hatten weiß-schwarze Federn und rote Kopfpunkte. Das waren einst die Farben der Deutschen Flagge, die später verboten wurde.

Der Erzüchter des Deutschen Reichshuhns hatte von Anfang an den Anspruch, dass seine Wirtschaftshühner zum deutschen Nationalhuhn werden sollten. Diese Absicht wurde durch die neu errungene Einheit im Deutschen Kaiserreich beflügelt, welches die Herrschaft der Fürstentümer ablöste. Dennoch floss kein einziges deutsches Huhn in die Linie ein.

Aufgrund der Federzeichnung und roten Kopfpunkte konnte die Namensgebung mit der Bedeutung eines deutschen Nationalhuhnes plausibel begründet werden und eckte in diesen Zeiten nicht an.

Entwicklung der Rasse Deutsches Reichshuhn

Cremat war deutscher Offizier und hat die Rasse Deutsches Reichshuhn erzüchtet. Die neue Wirtschaftsrasse sollte als Zwiehuhn gut legen und feines Fleisch für die Küche mitbringen. Erzüchtet wurde dieses neue Huhn im Jahr 1895. Es flossen viele verschiedene Rassen ein. Sussex, Orpington, oder Brahma brachten asiatische Wurzeln mit. Minorka oder Italiener stammten hingegen aus dem Mittelmeerraum.

In dieser Zeit war die Hühnerzucht unter betuchten Leuten ein Hobby. Es war üblich, sich in Clubs oder Sondervereinen zusammenzuschließen, um bessere oder schönere Hühner zu erzüchten. Damit erhielt auch das Deutsche Reichshuhn seinen Rassestandard. Es wurde erstmals im Jahr 1907 ausgestellt und im Jahr 1908 in Hannover als Rasse anerkannt.

Mit der Erzüchtung verschiedener Farbschläge flossen unter anderem weiße oder helle Wyandotten, weiße Dorkings, Sussex, Dominikaner und gesperberte Mechelner ein. Das Deutsche Reichshuhn ist also ein Multi-Kulti-Mix, welches in der Entstehung ausgerechnet auf deutsche Landhühner verzichtete.

Heutige Bedeutung der Deutschen Reichshühner

Der Name Deutsches Reichshuhn wird viele Züchter bereits verschrecken. Was müssen das für Leute sein, die Deutsche Reichshühner züchten? So könnten die Nachbarn, Bekannten oder auch Arbeitskollegen denken. Zumindest gelten Deutsche Reichshühner als gefährdet.

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH) führt diese Zwiehühner im Jahr 2016 in der Kategorie II, stark gefährdet. Die Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland (TGRDEU) zählt 2016 1315 Hennen und 289 Hähne als Zuchttiere bei 178 Züchtern. Diese Zuchthühner teilen sich auf neun Farbschläge auf. Die schwarzen, gestreiften und silber-schwarzgesäumten kommen nicht einmal auf 100, aber über 50 Zuchttiere. Positiv zu erwähnen bleibt, dass die Gesamtbestände seit ca. 2005 relativ stabil sind.

Die wenigen aktiven Züchter sind überzeugt vom ruhigen und zutraulichen Wesen dieser Wirtschaftsrasse. Es geht in der Zucht um den Erhalt der Rasse, das schöne Ausstellungshuhn oder das nützliche Hobby.

Zuchtbemühungen und Maßnahmen zum Rassenerhalt

Deutsche Reichshühner finden in ganz Deutschland ihre Halter. Der Sonderverein der Züchter Deutscher Reichshühner und Deutscher Zwergreichshühner gliedert sich in mehrere Bezirke. Die Züchter einer Region sind untereinander besser vernetzt und können zielstrebiger am Erhalt der Deutschen Reichshühner zusammenwirken. Durch die Einhaltung der Rassestandards wird die alte Wirtschaftsrasse erhalten und auf die gewünschten Eigenschaften optimiert.

In anderen Ländern gibt es vermutlich keine bedeutenden Bestände oder Zuchtbemühungen zum Erhalt Deutscher Reichshühner.

Zuchtziele der Deutschen Reichshühner

Kritiker reduzieren die Zuchtziele für Deutsche Reichshühner auf die Backsteinform. Die Unter- und Oberlinie sollen parallel verlaufen. Der Rumpf soll einen Kasten mit den Proportionen 5 für die Länge und 3 für Höhe und Breite abbilden. Die Schultern und Brust müssen breit ansetzen, der walzenförmige Rumpf darf nach hinten jedoch nicht noch breiter werden. Die Rückenlinie soll gerade sein und geht in den leicht ansteigenden Schwanz über. Insgesamt nehmen diese Wirtschaftshühner eine stolze Haltung ein.

Die Mittelmeerrassen bringen ein festanliegendes Gefieder in die Linie ein. Die straffen Federn münden damit in straff anliegende Flügel, deren Unterseite waagerecht verläuft. Die Flügel heben sich nur noch bei einigen Farbschlägen ein wenig ab und verschwinden ansonsten optisch glatt im Federkleid. Die mittellangen Schenkel erscheinen ohne Polsterung. Alle Farbschläge haben fleischfarbene federlose helle mittellange sowie feinknochige Läufe. Die mittellangen Zehen werden gut gespreizt.

Der mittelgroße Kopf prägt ein leicht gewölbtes Schädeldach aus. Der feinperlige rote Rosenkamm bildet eine kleine Kammfahne, die der Nackenlinie folgt, aber nicht aufliegt. Kehllappen und Ohrscheiben sind unbefiedert, faltenlos und mittelgroß. In den roten Ohrlappen wird kein Weiß geduldet, auch die Kehllappen müssen satt rot erscheinen. Das kräftig rote Gesicht soll glatt und federlos sein. Die wachen Augen erscheinen rot oder orange, nur beim birkenfarbenen Farbschlag wird braun geduldet. Der leicht gebogene Schnabel ist mittellang, die Hornfarbe kann zwischen den Farbschlägen etwas variieren.

Hähne sollen am mittellangen Hals sowie am Sattel einen nicht zu langen Behang ausprägen. Der breit ansetzende und geschlossene Hahnenschwanz soll sich mittellang mit gut gebogenen Sicheln und üppigen Nebensicheln ausprägen.

Hennen ähneln abgesehen geschlechtsspezifischer Merkmale den Hähnen. Bei einigen Farbschlägen unterscheidet sich damit auch die Federzeichnung zwischen Hahn und Henne.

Die mittelschweren Hühner mit deutlichen Landhuhn-Einflüssen sollen in ihrem Wesen ruhig und zutraulich wirken. Hennen sollen auch im Winter gut legen sowie die Widerstandskraft und Frohwüchsigkeit der Küken zu erhalten ist. Die feinknochigen Hühner sollen gut legen, leicht mästbar sein und schmackhaftes weißes Fleisch mit feinen Fasern ansetzen.

Kurz und bündig lauten die Zuchtziele:

  • Erhalt der Backsteinform
  • Optimierung der Leistung
  • Erhalt der Farbschläge
  • Festigung als Ausstellungshuhn
  • Verbesserung der robusten Linie
  • Erhalt vom ruhigen Wesen