Ungeziefer
Federlinge – nicht so niedlich, wie der Name hoffen lässt

Eine weitere Art der Quälgeister sucht die Hühner häufig heim: die Federlinge oder Federläuse. Sie „knabbern“ an den Federn, von denen sie sich ernähren und sind dadurch im Spätstadium vergleichsweise einfach zu erkennen: sie hinterlassen bei stärkerem Befall dreiecksartig angekerbte Federn und sitzen direkt am Kiel und am Federschaft. Besser ist es freilich, die Parasiten vor dem das Gefieder stark beeinträchtigenden Befall zu erkennen: betroffene Hühner sind zumeist von Unruhe geplagt, verlieren den Federglanz und entwickeln zunehmend struppig wirkendes Gefieder.

Federlinge sind eine wirtsspezifische Ungezieferart, die sich selbst auf ihrem Wirtstier noch weiter spezialisieren kann: so wie die Läuse beim Menschen gleicht sich der Parasit seiner jeweiligen Federumgebung etwas an. Landläufig sind die Federlinge aber als kleine, flinke und helle Insekten bekannt, die einen Vermehrungszyklus von etwa drei Wochen haben. Dieser findet ausschließlich auf dem Wirtstier statt.

Krankheitsbild und Folgen

Durch das beeinträchtigte Federkleid sind die Hühner nicht mehr optimal gegen die Witterung geschützt und erleiden zudem entsprechenden Juckreiz durch die auf der Haut herum krabbelnden Parasiten. Die Folge des zerstörten Federkleides sind Unterkühlung, Erkältung (als Folge durch das Federkleid durchdringender Nässe) und stressbedingte Immunschwächung.

Prävention gegen Federlinge

Neben einer entsprechenden vorbeugenden Stallhygiene hilft, wie auch gegen Milben, gegen Federlinge ein tägliches Sandbad, das im Idealfall mit Kieselgur angereichert wird.

Da sich die Parasiten durch den direkten Kontakt übertragen, ist es zudem sinnvoll, einzelne Hühner gegebenenfalls zu isolieren. Bei durch andere Erkrankungen bereits geschwächten Hühnern ist es angeraten, den Kontakt zu Wildvögeln zu vermeiden, indem der Auslauf auf einen Volierenbereich reduziert wird.

Hilfreich ist es in Bezug auf die direkte Übertragung auch, herumfliegende Federn regelmäßig zu entsorgen und den Parasiten dadurch ihren Nährboden und die Möglichkeit zur Weitervermehrung zu entziehen. Da diese aber ausschließlich auf dem Wirtstier leben können, muss der weitere Stallbereich im Gegensatz zur Notwendigkeit bei Milbenbefall nicht desinfiziert oder physikalisch gereinigt werden.

Auch kann vorbeugendes Einpudern der Hühner mit Kieselgurstaub einen starken Befall verhindern helfen. Haben die quälenden Federlinge bereits Einzug gehalten, stehen dem Halter weitere Maßnahmen zur Verfügung.

Akuthilfe gegen Federlinge

Haben sich die Federlinge (oder Kieferläuse) bereits niedergelassen, stehen dem Hühnerhalter dennoch vergleichsweise unproblematische und schnell wirksame Mittel zur Verfügung, um den Hühnern das Leben wieder angenehmer zu gestalten: Grundsätzlich besteht auch bei Federlingen die Strategie darin, das Wohnumfeld ungemütlich zu machen. Hierbei hilft eine Schicht aus Kriechöl auf der Hühnerhaut. Geeignet hierfür sind Ballistol oder Kokosölderivat (ein Handelsname: Verminex, bestehend aus Laurinsäure).

Ist der Befall vergleichsweise stark, kann auch das für Kaltblüter schädliche Kontaktgift des Neemöl zurückgegriffen werden. Dieses unterbricht neben der direkten Wirkung auf die Parasiten auch deren Vermehrungszyklus, indem es den Chitinstoffwechsel der frisch geschlüpften Federlinge auflöst. So erreichen diese nicht mehr die Vermehrungsreife, der Befall wird etwa binnen zehn Tagen eingedämmt, sofern man das Öl alle drei Tage auf die Hühner versprüht. Wichtig ist, nie das 100%-Öl zu verwenden. Neben fertigen Präparaten kann eine 5%ige Mischung zum Versprühen selbst hergestellt werden. Hierzu benötigt man ein reines Neemöl, einen Emulgator und eine Trägersubstanz. Beim sofortigen Verbrauch und dunkler, kühler Lagerung (die Neem-Moleküle zerfallen bei UV-Licht und büßen dadurch Wirkung ein) kann hierfür Wasser genommen werden.

Erfahrene Halter bestätigen, dass die Neemöl-Lotion sich auch positiv gegen Zecken und die sogenannte Herbstgrasmilbe auswirkt. Diese wiederum kann bei Hühnern zu den gefürchteten Kalkbeinen führen.

Hilft auch die Neemlösung nicht, muss in Einzelfällen auf die stark wirkenden Kontaktinsektizide mit Pyrethrum zurückgegriffen werden. Je nach Dosierung sind diese aber auch für Warmblüter schädlich, weswegen deren Einsatz besonderer Vorsicht bedarf.