Der Legeprozess

Der Legeprozess

Jeder, der das freudige Gegacker nach dem erfolgten Legen schon einmal gehört hat, weiß: da ist jemand ganz besonders stolz. Zu Recht, immerhin bedeutet das Anfertigen eines Eis im Hühnerkörper jede Menge Aufwand, das Leben als Prozess nimmt Zeit und Kraft in Anspruch und nicht zuletzt sichert jedes Ei, sofern ein Hahn in der Herde ist, theoretisch den Fortbestand der Herde. Jedes Ei entspricht ja im Grunde genommen einer Geburt. Bedenkt man unter diesen Umständen, dass industriell gehaltene Hennen nur dem Zwecke der Eiproduktion dienen, ist es naheliegend, diese Massenproduktion zu hinterfragen und sich mit den Vorgängen im Hühnerkörper etwas genauer zu befassen, wenn man eigene Hühner hält.

IMG_7454

Der Legeapparat

Wie viele Eier ein Huhn im Laufe seines Lebens legt, steht bereits bei seiner Geburt fest. Die Anzahl an "abrufbaren" Eizellen ist also genetisch vorgeburtlich festgelegt und kann nicht, wie irrtümlich zuweilen behauptet wird, gesteigert werden. Es ist aber möglich, das Absetzen der Eier vom Eierstock in den Eileiter durch eine günstige Futterauswahl und Legeumgebung positiv für den Halter zu beeinflussen. Für das Huhn bedeutet das Hochleistungslegen hingegen gesundheitliche Einbußen.

Im Eierstock befinden sich, gut geschützt am körperlich "tiefsten" Punkt des Huhns, die Dotteranlagen, sogenannte Eifollikel. Aus der Ansammlung der Eibläschen löst sich - je nach Rasse alle eineinhalb bis acht Tage - ein reifer Dotter vom Eierstock. Diese Dotterkugel wird anschließend vom Eiklar und dann von einem kleinen Häutchen, der Eihaut, umgeben. Der Dotter selbst ist zwischen den beiden Polen des Eis bereits zu diesem Zeitpunkt an den gedrillten, aus festen Bindegewebsstrukturen bestehenden Hagelschnüren, aufgehängt. Da das Ei sich währnd der Passage durch den Eileiter dreht, um nach außen zu gelangen, erhält es seine typische ovale Form. In den letzten Stunden des etwa 24-stündigen "Herstellungsprozesses" durchläuft das Ei seine Calcifizierung: die Schale wird rund um das Eihäutchen gebildet, sie erhält erst ganz zum Schluss ihre aus verschiedenen Zerfallsstadien des Hämoglobin bestehende Farbschicht. Kleine Bluteinschlüsse im Ei, der sogenannte Hahnentritt, sagen nichts über eine Befruchtung des Eies aus. Sie resultieren aus winzigen geplatzten Blutgefäßen während des Eibildungsprozesses.

IMG_7463

Befruchtung der Eier

Die Produktion eines Eis im Hühnerkörper, ob befruchtet oder unbefruchtet, dauert im Schnitt einen ganzen Tag. Ganz zu Beginn dieses Prozesses, noch ehe sich das Eiklar um den Dotter hüllt, findet innerhalb des Hühnerkörpers die Befruchtung statt, selbst wenn dem Abstoßen des Dotters nicht unmittelbar eine Begattung stattgefunden hat. Denn nach dem Tretakt wird das Ejakulat des Hahns in sogenannten Spermadrüsen bis zu zwei Wochen im Vaginalbereich des Huhns gespeichert. Nach der Ablage eines reifen Eis werden die Spermatozoen im Eileiter nach oben transportiert, wo sie den nächsten heranreifenden Dotter befruchten. Die weitere Eibildung verläuft wie oben beschrieben.

Der Keim, also die Anlage für das Küken, entwickelt sich erst bei konstanter Wärme ab 25 Grad außerhalb des Hühnerkörpers. Solange die Eier täglich abgesammelt werden, besteht keine Gefahr, versehentlich angebrütete Eier zu verzehren.