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Vorwerkhühner

anfängerfreundlich, werden schnell zutraulich, Hähne vertragen sich, robust

Vorwerk Hühner

Steckbrief: Vorwerkhühner

Eier

58 g

Farbe der Eier: Chremfarben

Mindestgewicht für Bruteier

55 g

Legeleistung

160 Eier / Jahr

Gewicht Hahn und Henne

Huhn: 2 - 2,5 kg, Hahn: 2,5 - 3 kg

Brutlust

30 %

Flugfähigkeit

40 %

Platzbedarf

70 %

Vorwerkhühner sind sehr friedlich

Eine Besonderheit der Vorwerkhühner ist ihr friedlicher Charakter. Das gilt sogar für die Hähne. Wenn diese bereits als Küken zusammen aufwachsen und auch genug Freilauf haben, respektieren sich selbst die Hähne untereinander.

Haltung

Aufgrund des dichten Untergefieders sind Vorwerkhühner sehr robust und wetterhart. Sie können zugleich sehr zutraulich werden. Sie sind zudem sehr gute Futtersucher, weshalb vor allem über die warme Jahreszeit weniger zugefüttert werden muss. Vorausgesetzt wird jedoch, dass die Vorwerkhühner genügend Auslauf haben und auch Futter finden.

Vorwerkhühner im Freilauf

Da diese Hühnerrasse die Bewegung und ihre Freiheit braucht, soll wenigstens ein kleiner Freilauf vorhanden sein.

Bereits ab der 20ten Lebenswoche können die Hennen mit dem Legen beginnen. Wenn das Jahr jedoch voran geschritten ist und die Temperaturen stark fallen, befinden sich die Vorwerkhühner bereits in der Legepause. Sobald sie beim Freigang nicht mehr genug Futter finden, legen sie nur noch wenige Eier.

Vorwerkhühner sind keine guten Flieger. Jungtiere sind jedoch lebhafter und können doch einmal einen hohen Zaun überwinden. Die älteren Tiere bleiben hingegen lieber am Boden.

VorwerkhenneVorwerkhahn

Eier und Legeleistung

Vorwerkhühner legen cremefarbene Eier, die ein Gewicht von rund 55 Gramm aufweisen. Diese 55 Gramm sind das Mindestgewicht für Bruteier.

Die Legeleistung liegt bei ca. 150 bis 170 Eiern im ersten und zweiten Legejahr.

Einige Hühnerpopulationen legen weniger und brüten besser, andere legen mehr und brüten fast gar nicht. Im Normalfall sind Vorwerkhühner keine Winterleger, wobei auch hier von Ausnahmen berichtet wird.

Küken

Nachteilig für die Nachzucht der Vorwerkhühner ist, dass die Hennen nicht gerne glucken. Sie beginnen nur sehr selten mit der natürlichen Brut, sodass meist mit nur wenigen Nachzuchten gerechnet werden kann. Für Halter, die lediglich den Stamm erhalten wollen sind die gelegentlichen Bruten jedoch ausreichend. Wenn die Henne mit der Brut beginnt, ist sie jedoch sehr zuverlässig.

Oft genug lassen die Halter die Bruteier jedoch von anderen Hennen (Ammenbrut) oder im Brutschrank ausbrüten.

Die Küken der Vorwerkhühner sind robust und wachsen schnell. Sie sollen dennoch nicht mit widrigem Wetter oder schlechtem Futter überfordert werden.

Die Küken der Vorwerkhühner sind anfangs noch ganz anders gefärbt als ihre ausgewachsenen Artgenossen. Die Köpfe sind meist hell, die Körper dunkel. Ob ein Küken die gewünschten Farben wieder gibt und damit zur Zucht taugt, zeigt sich erst, wenn die Küken zu adulten Tieren heran wachsen und sie die Herbstmauser hinter sich haben. Küken mit satt gelben Köpfen scheinen eher zu schönen adulten Exemplaren zu neigen.

Ursprung der Vorwerkhühner

Gut zu wissen

  • Eine Besonderheit der Vorwerkhühner ist ihr friedlicher Charakter. Das gilt sogar für die Hähne. Wenn diese bereits als Küken zusammen aufwachsen und auch genug Freilauf haben, respektieren sich selbst die Hähne untereinander. Das ist für Hühner außergewöhnlich, da Hähne in der Regel auf knappen Raum oder ohne eigene Hühnerschar untereinander sehr aggressiv reagieren. Ausgewachsene und einander unbekannte Vorwerkhühner-Hähne sollen nicht mehr aneinander heran kommen, sondern auf sehr großer Fläche oder mit verschiedenen Hühnergehegen voneinander Abstand halten.
  • Für die wirtschaftliche Nutzung der Vorwerkhühner kann der hohe Dotteranteil in den Eiern hervor gehoben werden. Die Eier haben eine gelbliche Schale. Selbst Hennen, die ein paar Jahre alt sind, legen noch zahlreiche Eier. Für Selbstversorger mit großem Grundstück kann ein Hühnervolk mehr als genug frische Eier liefern. Auch das Fleisch ist durchaus schmackhaft, aber ein klein wenig zäh. Damit wären die Vorwerkhühner keine perfekten Brathähnchen.
  • Die farbenfrohen Vorwerkhühner werden leider auch von Fressfeinden schnell gesehen, womit das Hühnervolk nicht dort gehalten werden soll, wo es ein gehäuftes Aufkommen dieser Fressfeinde gibt oder wo diese gerne zuschlagen.
  • Im Jahr 1959 gab es in Leipzig tiefrote Vorwerkhühner, die jedoch wieder verschwanden.
  • Neben den Vorwerkhühnern gibt es die Zwerg Vorwerkhühner als kleinere Variante. Die Hennen kommen auf 900, die Hähne auf 1000 Gramm. Das Vorwerkhuhn ist in der gezielten Zucht nur ein Ahne der Zwergvorwerkhühner. Weitere geeignete und zugleich zwergwüchsige Hühnerrassen wurden eingekreuzt. Das Zwergvorwerkhuhn wurde in Westdeutschland im Jahr 1963 anerkannt, im Osten wurde es bereits 1956 in Leipzig gekürt.

Die Hühnerrasse Vorwerk

Die Ursprünge des Vorwerkhuhnes

Oskar Vorwerk ist der Züchter und Namensgeber für die Vorwerkhühner, deren Zucht er 1902 begann. Er lebte und züchtete in Othmarschen, welches heute ein Stadtteil von Hamburg ist. Oskar Vorwerk war einer der bessergestellten, der ein großes Grundstück mit Villa zur Verfügung hatte. In der einstigen Zeit war für diese Kreise die Geflügelzucht ein beliebtes Hobby.

Oskar Vorwerk hatte für seine Hobbys die nötigen finanziellen Mittel. Zu seinem Personal gehörte der Geflügelwirt Otto Seeger, der nach Anweisung von Oskar Vorwerk das heutige Vorwerkhuhn züchtete. Der Hühnerbestand belief sich auf rund 300 Exemplare. Oskar Vorwerk unterhielt einen regen Kontakt und Wissensaustausch zu erfahrenen Züchtern, die gewiss ihren entscheidenden Teil zum Zuchterfolg beitrugen.

Mit dieser Kompetenz wurden von Anfang an Zuchtziele für das Vorwerkhuhn gesetzt, welches seinen Namen erst später erhielt. Zuerst waren es die ?Hühner vom Vorwerk?, der sich über die Namensgebung Gedanken machte und es dann bei ?Vorwerkhühnern? beließ. Oskar Vorwerk hat mit den ?Vorwerk Staubsaugern? im Übrigen nichts zu tun, hier gibt es außer dem Namen keinen Zusammenhang.

Mit den gesetzten Zuchtzielen sollte es ein Zwiehuhn werden, welches mit wenig Futter zum einen viele Eier legt, zum anderen aber auch genug Fleisch bringen würde. Weiterhin soll dieses Zwiehuhn hübsch genug für die großen Villengärten und die anderen repräsentativen Grundstücke wirken. Damit wurde als optisches Vorbild das überwiegend weiße Lakenfelder gewählt. Es handelt sich bei den Lakenfelder um eine der damals schönsten deutschen Hühnerrassen. Neben dem Lakenfelder für die Zeichnung sollten die Ramelsloher für die Statur und die eigens aus Britannien importierten gelben Orpington für die Masse sorgen. Erst später wurden Andalusier für das Untergefieder der Vorwerkhühner eingekreuzt. Wegen der einstigen gleichen Bezeichnung der Hühner aus der ganzen Region kann es sich hier, was wegen der Ähnlichkeit naheliegend wäre, auch um Kastilianer handeln. Die Vorwerkhühner sollten vermutlich auch deswegen keine weißen Federn mehr haben, um nicht so schnell schmutzig zu wirken.

Aufgrund der hohen Ansprüche an das Zwiehuhn, welches vom Typ einem Landhuhn entsprechen soll, hat die Zucht mit rund 10 Jahren nur aufgrund der Professionalität in so kurzer Zeit fruchten können. Im Jahr 1912 wurde das Vorwerkhuhn in Hamburg, Berlin und Chemnitz auf Ausstellungen vorgestellt und erhielt als neue Hühnerrasse bereits rege Beachtung. Es handelt sich sozusagen um ein am Zeichenbrett gestaltetes Designerhuhn, welches von Anfang an sehr professionell in beratender Zusammenarbeit mit erfahrenen Züchtern auf ganz bestimmte Eigenschaften gezüchtet wurde.

Entwicklung der Rasse Vorwerk

Die Vorwerkhühner verbreiteten sich als neue Hühnerrasse nicht nur aufgrund ihrer, für damalige Zeiten, sehr guten Eigenschaften als robustes Zwiehuhn. Oskar Vorwerk wollte seine Bemühungen aus persönlichem, und nicht aus wirtschaftlichem Interesse unterstreichen. Er verkaufte und verschenkte viele kleine Hühnervölker, damit diese auch an anderen Orten gezüchtet werden können.

Damit konnte sich das Vorwerkhuhn erst einmal ausbreiten. Während, oder kurz nach dem zweiten Weltkrieg ist es dennoch fast wieder ausgestorben, da nur ein einziger Bestand mit zwei Hähnen und 26 Hennen durch die Frau vom Sattelmeister Karl Schmidt in Großbreitenbach – Thüringen über den Krieg gerettet wurde. In diesen Zeiten hatten die Leute alles andere zu tun, als Hühner auf Rasseeigenschaften zu züchten. Weiterhin wurde nach dem Krieg auf andere Eigenschaften gezüchtet, womit das einstig als wirtschaftlich geltende Vorwerkhuhn in der heutigen Zeit keine wirtschaftliche Bedeutung mehr hat.

Dennoch wurde das Vorwerkhuhn von wirklichen Liebhabern weiter auf Rasse gezüchtet, womit es bis heute erhalten werden konnte. Aufgrund der wenigen Exemplare, die es zwischenzeitlich nur noch waren, ging das jedoch nicht ohne weitere Einkreuzungen. Um die alte Linie zu erhalten wurden damit die ursprünglichen Rassen erneut mit eingekreuzt.

Heutige Bedeutung der Vorwerkhühner

In der heutigen Zeit haben die Vorwerkhühner zum einen ?Liebhaberwert? und zum anderen ihre Erbanlagen. Genau diese Gene der alten Rasse können künftig interessant werden, sollte die Freiland- und Biohaltung von Hühnern unter artgerechten Gesichtspunkten sich durch setzen. Dabei würde das Vorwerkhuhn möglicherweise lediglich als Genpool zur Zucht neuer Rassen dienen, die wirtschaftlicher genutzt werden können. Eine nennenswerte wirtschaftliche Bedeutung hat diese Hühnerrasse derzeit zumindest nicht.

Ob das Vorwerkhuhn irgendwann zur Zucht neuer Rassen Verwendung findet oder selber wieder aus wirtschaftlichen Gründen gehalten wird, ist derzeit nicht zu sagen. Neben den beiden genannten Haltungsgründen gibt es einen weiteren Punkt, der für diese alte Hühnerrasse spricht: Vorwerkhühner sind genügsam, bringen Fleisch, in der warmen Jahreszeit Eier und sind sehr friedlich. Es handelt sich also um die optimalen Hühner für Personenkreise, die ein großes Gelände mit bringen oder im großen Hühnerhof ein eigenes Hühnervolk hegen wollen. Genau für diese ursprüngliche Haltung würde wiederum das moderne Wirtschaftshuhn nicht taugen.

Zuchtbemühungen und Maßnahmen zum Rasseerhalt

Mit dem zweiten Weltkrieg gingen die Vorwerkhühner bis auf ein Volk unter. Dennoch gab es weiterhin einige Züchter, die diese Rasse erhielten. Erst viele Jahre später wurde erkannt, dass das vermutlich nicht genügen wird, wenn einige Hobbyzüchter die Vorwerkhühner unorganisiert für sich halten.

Im Jahr 1999 wurde der Erhaltungsring für Vorwerkhühner gegründet. Die Mitglieder dokumentieren die Leistungen ihrer Hennen und lassen die Merkmale ihrer Zuchttiere prüfen. Da die Vorwerkhühner sehr viele Genlinien enthalten, ist es sehr schwierig, optimale Zuchttiere zu finden, die wirklich in allen Punkten die Zuchtlinie wieder spiegeln und weiter geben können. Viele Hobbyzüchter springen deswegen schnell wieder ab. Es gibt jedoch einige hundert Züchter, die sehr gewissenhaft ?Buch führen? und sich aktiv für den Erhalt der Vorwerkhühner einsetzen. Waren es 1996 rund 250 Hähne und rund 1000 Hennen, so sind es seit 2005 deutlich über 500 Hähne und mehrere tausend Hennen. Das sind jedoch die Tiere, die gezielt zur Zucht verwendet werden. Es gibt weit mehr ?Hobby? Vorwerkhühner sowie die Bruteier oder die Tiere sich für die Hobbyzucht schnell beschaffen lassen.

Im professionell arbeitendem Zuchtring gibt es das eine Ziel, dass die Zuchtlinie erhalten und die gewünschten Merkmale noch deutlicher heraus gezüchtet werden. Als anderes entscheidendes Ziel kann die Vermeidung von Inzucht genannt werden. Um diese zu minimieren werden Bruteier oder geeignete Hähne zwischen den Züchtern getauscht. Nur so können die Vorwerkhühner langfristig in ihrer gesunden Linie erhalten bleiben.

Neben dem Erhaltungsring für Vorwerkhühner gibt es auch den ?Sonderverein zur Zucht und Erhaltung der Vorwerk & Zwergvorwerkhühner?, welcher sich ebenfalls um den Erhalt dieser Hühnerrasse einsetzt. Dieser Verein geht auf Oskar Vorwerk zurück.

Zuchtziele

Ein Zwiehuhn, welches viele Eier legt, viel Fleisch bringt, sich sein Futter zum Großteil selber sucht, robust ist und als Landhuhn zugleich hübsch aussieht, das waren und sind die Zuchtziele beim Vorwerkhuhn.

Hahn und Henne weisen die gleiche Zeichnung im Gefieder auf, die Hähne sind jedoch etwas leuchtender. Der Hals ist bis zum Sattel und zur Brust genau wie die leicht angewinkelten Schwanzfedern im satten Schwarz gehalten. Dieses Schwarz steht wiederum im deutlichen Kontrast zum Gefieder des eigentlichen Körpers, welches rostrot bis orange wird und zum Rücken und den Flügeln deutlich dunkler und intensiver hervor tritt.

VorwerkhenneVorwerkhahn

Das Gesicht der Vorwerkhühner ist wieder rostrot, die Augen sind orange-rot sowie lebhaft. Der mittelgroße Kamm und die Kehllappen ergänzen den rostroten Ton vom Körpergefieder. Beim Hahn hat der Kamm aufrecht zu stehen, bei der Henne darf er sich etwas zur Seite neigen. Der Kamm der Hähne hat vier bis sechs Zacken. Die Ohrscheiben leuchten im strahlenden Weiß auf, diese dürfen im Alter einen leichten roten Rand haben. Die nackten Läufe wirken mit ihrem Schieferblau als weiterer farblicher Kontrast und runden alles ab.

Der Körperbau lässt sich in die Rubrik der mittelschweren Landhühner eingliedern. Die Vorwerkhühner sind nicht zu groß sondern eher tief gestellt, schlank und dennoch muskulös. Die Schenkel könnten ausgeprägter sein. Der große Rumpf der Hähne soll breit und tief liegen. Die Brust ist voll, der Rücken jedoch nur mäßig lang. Auch bei den Hennen soll die volle Brust tief liegen, sie sollen einen vollen Bauch haben. Die Flügel liegen fest an. Im Körperbau unterscheiden sich die Hähne von den Hennen so wenig, wie in der Färbung.