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Ramelsloher

anfängerfreundlich, robust, kälteunemfindlich, winterleger

Steckbrief: Ramelsloher

Herkunftsland

Deutschland

Eigenschaften

anfängerfreundlich, robust, kälteunemfindlich, winterleger

Farbschläge

weiß, gelb

Eier

55 g

Farbe der Eier: Chremfarben

Mindestgewicht für Bruteier

56 g

Legeleistung

170 Eier / Jahr

Gewicht Hahn und Henne

Huhn: 2 - 2,5 kg, Hahn: 2,5 - 3 kg

Brutlust

30 %

Flugfähigkeit

60 %

Platzbedarf

90 %

Ramelsloher sind sehr wachsam

Die Vierländer Hühner hatten einen sehr ausgeprägten Schutzimpuls und haben sozusagen immer mit einem Auge nach Feinden Ausschau gehalten, um direkt das Weite zu suchen. Diese Eigenschaft ging auf die Ramelsloher über.

Haltung

Die gelben Ramelsloher kamen in ihren Eigenschaften nie an die ab ca. 1905 stabilen weißen Ramelohers heran, starben zwischenzeitlich aus und wurden mit anderen Hühnerrassen neu erzüchtet. Zumindest bei den heutigen Ramelslohern muss also zwischen den weißen und den gelben Farbschlägen unterschieden werden.

Die Ramelsloher stammen aus dem Hamburger Raum, in dem die ?Stubenkückenzucht? unter den ärmeren Leuten weit verbreitet war. In der Küche wurden im Winter Küken aufgezogen, die bereits nach zwei Monaten mit einem Gewicht von ca. 800 Gramm geschlachtet und als zartes Fleisch auf dem Markt verkauft wurden. Die weißen Ramelsloher haben also die Eigenschaft, dass man sie sehr gut zähmen kann. Dabei können weiße Ramelsloher Hähne jedoch gegenüber den Menschen aggressiv werden, wenn man seine Hennen zähmen möchte. Wer Schmusehühner haben möchte, sollte also den Hahn weglassen.

Die Hennen haben ihre Rangordnung, die jedoch dennoch laufend erprobt wird. Dabei kommt es jedoch zu keinen richtigen Kämpfen, solange die Hennen genug Platz haben. Ansonsten kommt es schnell zum Federfressen. Bereits die Küken sollen ein wenig Unterschlupf oder Spielzeug in der Aufzuchtkammer finden, um das Federpicken zu vermeiden. Die Eier mit dem Mindestgewicht von 54 Gramm sind im Übrigen für die Kunstbrut sehr gut geeignet.

Die Küken bilden schnell ein dichtes Federkleid aus, sollen bis zu diesem Punkt jedoch vor Schlechtwetter geschützt werden. Die adulten Ramelsloher sind sehr robuste Landhühner, die viel Auslauf brauchen. Wer diese Hühnerrasse in einem beengten Auslauf oder nur im Stall hält, der kann schnell Verhaltensstörungen feststellen. Gerade die weißen Ramelsloher brauchen den Auslauf, ernähren sich in der warmen Jahreszeit dafür aber auch selbstständig oder müssen nur wenig gefüttert werden.

Wer seine weißen Ramelsloher bereits als Küken zähmt und auf den Schoß nimmt, der halt bald schon richtige Schmusehühner. Hühner des gelben Farbschlags werden hingegen keine Schmusehühner, auch wenn sie zutraulich werden können. Die Hähne gehen seltener auf Menschen los und die Hennen vertragen sich untereinander besser.

Eier und Legeleistung

Die Hennen legen im ersten Legejahr rund 170 und im zweiten etwas weniger Eier mit ca. 50 bis 60 Gramm. Bruteier sollen wenigstens 56 Gramm wiegen.

Die Befruchtungsrate ist hoch, wenn ein Hahn über die Hennen wacht. Die Eier sind weiß bis cremefarben. Ramelsloher sind Winterleger.

Farbschläge

Anerkannte Farbschläge

  • weiß
  • gelb

Gut zu wissen

  • Die Vierländer Hühner hatten einen sehr ausgeprägten Schutzimpuls und haben sozusagen immer mit einem Auge nach Feinden Ausschau gehalten, um direkt das Weite zu suchen. Diese Eigenschaft ging auf die Ramelsloher über. Die weißen Rassevertreter können durchaus Streichelzahm werden. Sie bleiben dennoch misstrauisch und kommen erst an den Menschen heran, wenn sie diesen als ihren Halter erkennen. Gerade für freilaufende Hühner ist dieses Schutzverhalten ungemein wichtig. Diese durchaus temperamentvollen Vögel wurden und werden dadurch auch weniger schnell geraubt.
  • Diese Hühner waren sozusagen im Jahr 1874 gerade in Ramelsloh entsprungen und sind im Ort noch immer im Stadtwappen enthalten. Als dann 1893 eine Delegation von Hühnerzüchtern diesen Ursprungsort und dessen Ramelsloher aufsuchte, fanden sie keine reinen Ramelsloher. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits Hühnerarten aus anderen Ländern importiert, die natürlich zuerst in Hafenstädten wie Hamburg ankamen. Vor allem schwere asiatische Hühnerrassen wie die Cochin wurden in die dortigen Hühner eingekreuzt, damit diese besser brüten und die Küken schneller Fleisch ansetzen. Es entstanden neue Rassen wie die Hittfelder, Winsener und Stuhrer Masthühner. Diese Rassen gingen allesamt bis zu den 30er Jahren des 20ten Jahrhunderts wieder unter. Im Hamburger Raum wurden in diesen Jahren viele Stubenküken auf den Märkten nachgefragt, für die es auf das Fleisch ankam. Bis dahin hatten die Ramelsloher sich bereits im Norddeutschen Raum verteilt und als Legehühner durchgesetzt.

Die Hühnerrasse Ramelsloher

Ursprünge der Ramelsloher Hühner

Im Norden Deutschlands gab es vermutlich seit mehreren Jahrhunderten weiße Landhühner, die Vierländer genannt wurden. Zwischen 1866 und 1871 war der Bäckermeister A. Timme auf Wanderschaft und dokumentierte die weißen Landhühner erstmalig. Seit 1870 werden in Ramelsloh, nahe Hamburg, diese weißen Vierländer gezüchtet und fortan als Ramelsloher bezeichnet. Die Vierländer starben vermutlich bereits bis 1923 aus. Das neue Zwiehuhn wurde im Kaiserreich aufgrund seiner Wirtschaftlichkeit empfohlen und hatte im norddeutschen Raum die Blüte zwischen 1900 und 1920.

Eine weitere Herkunftsgeschichte besagt, dass die Hühner dieser Rasse bereits vor dem Jahr 1870 im Ramelsloher Kloster durch die Mönche erzüchtet wurden. Dieses Kloster habe es bis Ende des 17ten Jahrhunderts gegeben. Die Region wurde bereits im Jahr 1529 evangelisch, kurz danach wurde das Kloster und eine eventuelle Hühnerzucht aufgegeben. Es wäre also aufgrund beider Jahreszahlen unlogisch, dass im Jahr 1870 eine auf Linie gezüchtete weiße Hühnerrasse nur noch auf Ramelsloher hätte umgetauft werden müssen.

Entwicklung der Rasse Ramelsloher

Der Reeder A. D. Wichmann stammte aus Hamburg und fand in den weißen Vierländer Landhühnern gefallen. Er wollte vermutlich nur die Linie festigen und eine stabile Rasse mit besseren Eigenschaften hervorbringen. In Ramelsloh und der Umgebung wurde er fündig. Hier gab es weiße Landhühner, die seinen Erwartungen nahekamen und die er ab 1870 gezielt züchtete. Da diese Ausgangshühner bereits eine gewisse Homogenität mitbrachten, hat er die Ramelsloher bereits 1874 auf einer Hamburger Ausstellung präsentiert.

Der Hühnerzüchter Bergmann kreuzte im Jahr 1889 Andalusier mit ein, auch Cochin Hühner flossen in die Ramelsloher Linie. Das Ramelsloher Landhuhn entwickelte sich zu einem für einstige Zeiten erstklassigen Zwiehuhn, welches viel zartes Fleisch ansetze sowie viele Eier legte. Die Besonderheit der Ramelsloher liegt in dem Punkt, dass sie das ganze Jahr über legen. Im Jahr 1910 wurden Zuchtziele für die Ramelsloher im bereits 1905 gegründeten Sonderverein festgelegt, die bis heute gelten.

Die Ramelsloher wurden mit einem weißen und goldigen Farbschlag hervor gezüchtet. Beide Farbschläge waren zu der Zeit in der Region Nordeuropas üblich. Wann genau der gelbe Farbschlag erzüchtet wurde, lässt sich nicht mehr exakt klären. Er wurde bereits im Jahr 1878 erwähnt und somit gab es die gelben Ramelsloher vermutlich ab der Erzüchtung der weißen Ramelsloher. Dieser gelbe Farbschlag verschwand zwischenzeitlich und wurde neu erzüchtet. Der gelbe Farbschlag wird durch die Einkreuzung gelber Cochins erreicht.

Bereits die ursprünglichen gelben Ramelsloher hatten als Hühnerrasse nicht die Qualität der weißen Hühner dieser Rasse. Diese waren in ihren Eigenschaften bereits damals stabiler und brachten die bessere Leistung. Auch heute gibt es zwischen den beiden Ramelsloher Farbschlägen entscheidende Unterschiede.

Heutige Bedeutung der Ramelsloher

In der heutigen Zeit gibt es einmal die Wirtschaftshühner, die nur Masse bringen müssen. Optische Gesichtspunkte sind in dieser Massentierhaltung fast egal. Dann gibt es die Liebhaber- und Selbstversorgerhühner, zu denen das Ramelsloher gehören würde. Aber nur wenige Züchter bemühen sich um den Erhalt dieser Hühner, da diese einfach ?langweilig? wirken. Sie sind schlicht weiß mit rotem Kam, schwarzen Augen und blauen Füßen. Rein optisch können sie viele Halter damit nicht überzeugen.

In der dennoch stattfindenden Erhaltungszucht geht es natürlich auch um die Erhaltung der Gene, um mit diesen künftige Hühnerrassen erzüchten zu können.

Abgesehen vom Erhalt dieser alten Landhuhnrasse haben die weißen Rassevertretern dennoch eine weitere Bedeutung, die bemerkenswert ist: Wer bereits die Küken zähmt und sich immer gut um seine Ramelsloher kümmert, der hat schon bald Schmusehühner. Dass Hühner auf dem Schoß der Halter hüpfen und sich kraulen lassen, das ist für Hühnerartige alles andere als normal.

Zuchtbemühungen und Maßnahmen zum Rasseerhalt

Die Blüte dieser Hühnerrasse waren die Jahre zwischen 1900 und 1920, dann kamen andere Hühnerrassen hoch. Spätestens seit dem dritten Reich geht es mit den Ramelslohern bergab, da die Nazis nur bestimmte Hühnerrassen für die landwirtschaftliche Nutzung vorsahen. Die Ramelsloher gehörten nicht dazu. Nach dem Krieg gab es nur noch wenige Züchter und diese Hühnerrasse wären fast ausgestorben. Alfred Schweitzer hat sich ab den 60er Jahren der Zucht und ab 1985 den Vorsitz vom bereits 1905 gegründeten Sonderverein zum Erhalt dieser Hühnerrasse angenommen. Er hat sogar den gelben Farbschlag aus den weißen Ramelslohern und weiteren Hühnerrassen neu erzüchtet.

Der Verein zählte in den 70er Jahren nur noch sieben Züchter, inzwischen sind es wieder einige mehr, die das Ramelsloher im weißen oder gelben Farbschlag erhalten. Dennoch gibt die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. für Ramelsloher die Kategorie II in der eigenen roten Liste. Damit ist diese alte Nutztierrasse stark gefährdet. Vorab befanden sich die Ramelsloher bereits in Kategorie I für extrem gefährdete Nutztierrassen.

Aus einer Bestandsabfrage ermittelt dieser Verein für alte Haustierrassen für das Jahr 2013 83 Hähne und 306 Hennen. Hierbei handelt es sich nur um die Zuchttiere, es gibt auch weitere Ramelsloher. Ohne die professionelle Erhaltungszucht mit dem Tausch von Bruteiern und Hähnen würden die Ramelsloher mit so wenigen Exemplaren jedoch wirklich bald durch Inzucht Schaden nehmen oder ganz aussterben. Das wäre zwischen 1975 und 1985 fast passiert. Dass es die Ramelsloher heute noch gibt oder die gelben Ramelsloher wiedergibt, ist vor allem Alfred Schweitzer zu verdanken.

Zuchtziele der Ramelsloher

Das Ramelsloher ist ein schlichtes und damit auch einfach zu beschreibendes Landhuhn: Das Federkleid ist komplett weiß. Der Schnabel und die federlosen Hühnerfüße sind Schieferblau, weswegen die Ramelsloher auch Blaubein genannt werden. Bei Hennen kann der Blauton vom Schnabel sogar zum Gesicht über gehen. Die Schnabelspitze ist hell.

Die großen Augen wirken schwarz. Der Kopf der Hähne ist deutlich größer, als der von den Hennen. Der Hahn soll eine leicht aufrechte Haltung einnehmen. Die Hennen bleiben etwas niedriger mit waagerechtem Rücken. Der mittelgroße Kamm und die Kehllappen im satt roten Ton der Hähne ist auch bei den Ramelslohern deutlich größer als bei den Hennen. Der Kamm ist bei Hahn und Hennen aufrecht und regelmäßig gezackt. Die Ohrmuscheln sind groß, weiß und können einen leichten Blauton aufweisen.

Beim Körperbau wirken Flügel und auch Schenkel unauffällig. Vom Hals bis zu den Schwanzfedern ist der Körper walzenförmig. Die Hennen haben Schwanzfedern von kleiner bis mittlerer Dimension, die leicht nach oben stehen. Beim Hahn sind diese Schwanzfedern nach oben stehend etwas länger und zu den Enden herab hängend.

Bei den gelben oder goldenen Hühnern ist die Linie noch zu festigen. Genau wie bei anderen Hühnern ist die Farbtönung zum Sattel, Rücken und den Flügeln satter als zum Bauch. Ansonsten unterscheiden die weißen und gelben Ramelsloher Landhühner sich optisch kaum.