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Zwerg-Welsumer

kälteunemfindlich, gute Futtersucher, quirlig, zutraulich

Zwerg-Welsumer Hahn

Steckbrief: Zwerg-Welsumer

Eier

50 g

Farbe der Eier: Braun

Mindestgewicht für Bruteier

47 g

Legeleistung

180 Eier / Jahr

Gewicht Hahn und Henne

Huhn: < 1 kg, Hahn: < 1,3 kg

Brutlust

10 %

Flugfähigkeit

100 %

Platzbedarf

70 %

Hinweis

Im Dritten Reich wurden keine neuen Hühnerrassen anerkannt, womit das Zwerg-Welsumer erst einmal den Krieg überleben musste. Wahrscheinlich gelang dies nur einer einzigen Zuchthenne, mit der dann in den Nachkriegsjahren die Erhaltungszucht neu aufgebaut wurde.

Haltung

Zwerg-Welsumer sind in ihrem Wesen dem Menschen gegenüber ruhig. Ansonsten handelt es sich jedoch um aufgeweckte und lebhafte kleine Hühner, die ständig im Freilauf nach Futter suchen oder anderweitig beschäftigt sind.

Freilauf

Die Zwerghühner benötigen zwar keinen geräumigen Hühnerstall, aber einen großen Freilauf.

Wer die Fläche nicht hat, soll seinen Hühnerauslauf um so gewissenhafter strukturieren. Die Hühner wollen Abwechslung mit einer Grünfläche, Sträuchern, Steinen, Totholz und einer trockenen Stelle für ein Sandbad vorfinden. Langweilen sich die Hühner, neigen sie zum Federpicken. Deswegen kann im kleinen Freilauf etwas Wiese, Salat oder Möhrengrün in einem Netz kurz über dem Boden aufgehangen werden.

Wer den Freilauf für Zwerg-Welsumer plant, soll bedenken, dass diese gerne, häufig und gut fliegen. Der Hühnerzaun muss deswegen mindestens 1,8 Meter hoch sein oder aber die Einzäunung wird mit einem Netz überspannt. Besser ist es, wenn die Hühner frei laufen und der Gemüsegarten eingezäunt wird.

Ernährung und Futter

Beim Futter wie auch beim Hühnerstall sind Zwerg-Welsumer genügsamer, solange alles in etwa passt.

Doch auch beim Hühnerstall gibt es eine Besonderheit. Die Hühner baumen gerne auf und nächtigen in Bäumen. Der Halter muss also bei Junghühnern gewissenhaft darauf achten, dass diese am Abend in den Stall gehen. Eine Abendfütterung kann helfen, reicht aber in Einzelfällen nicht. Bleibt das erste Huhn im Baum, setzen sich bald alle anderen hinzu.

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Deswegen empfehlen erfahrene Hühnerhalter das Stutzen der Flugfedern bei diesen aufbaumenden Exemplaren. Die Hühner dürfen sich das Aufbaumen gar nicht erst angewöhnen, sonst werden sie den Hühnerstall meiden und ihre Eier irgendwo anders hinlegen.

Charakter

Im Gesamtwesen sind Zwerg-Welsumer witterungsbeständig. Sie kommen gut mit winterlicher Kälte klar, solange sie einen trockenen und geschützten Hühnerstall haben. Die guten Futterverwerter müssen in einem großen Auslauf im Sommer kaum noch gefüttert werden, im Winter hingegen schon.

Wichtig bleibt, dass im Hühnerstamm immer nur ein Hahn gehalten wird. Hähne werden einander erbittert bekämpfen. Das geht bereits bei Junghähnen los, weswegen diese immer mit einem Althahn aufgezogen werden sollen. Dieser sorgt eine gewisse Zeit lang für Ruhe.

Insgesamt eignen sich Zwerg-Welsumer für Züchter, Aussteller, Hobbyhalter und sogar Anfänger. Die Hühnchen gewinnen schneller Vertrauen, wenn der Halter sich immer ruhig verhält und in der Eingewöhnung aus der Nähe füttert.

Eier und Legeleistung

Geht es um die Wirtschaftlichkeit, dann sind Zwerg-Welsumer ganz vorne dabei. Die ersten und noch vergleichsweise kleinen Eier werden im Alter von 5 Monaten gelegt. Die Hennen wiegen gerade einmal 1000 Gramm, legen aber mindestens 180 Eier im ersten vollen Legejahr. Diese wiegen mindestens 47 Gramm.

Das sind mindestens 8,5 Kilo Eimasse im ersten vollen Legejahr oder das 8,5 fache Körpergewicht. Die Halter müssen jedoch darauf achten, dass die Hennen nicht verfetten, da sie dann deutlich schlechter legen.

Die Eier dunkelbraun mit wenig Glanz beziehungsweise dunkelbraun mit Tupfen. Halter berichten von bis zu 60 Gramm schweren Eiern!

Für die Zucht sollen gute Legehennen gewählt werden. Diese erkennt der Züchter am Ende der ersten Legesaison an den blassen Läufen, die ansonsten satt gelb erscheinen. Je fleißiger eine Henne legt, umso blasser werden die Läufe.

Küken

Zwerg-Welsumer werden wie andere starke Legerassen kaum brütig. Befruchtete Eier können mit der Brutmaschine ausgebrütet werden. Für diese agile Zwerghuhnrasse wäre jedoch eine Leihhenne besser. Die lebhaften Küken haben einen schützenden Bezugspunkt und entwickeln sich insgesamt besser. Dennoch müssen sie erst mit der Leihhenne im geschützten Raum separiert und mit Kükenstarter gefüttert werden.

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Der Halter soll sehr darauf achten, dass den Küken nicht langweilig wird. Zweige, Tannenzapfen, Salatreste und andere Unterhaltung ist gefragt, damit keine Langeweile oder Federpicken aufkommen.

Farbschläge

Anerkannte Farbschläge:

  • rost-rebhuhnfarbig
  • orangefarbig
  • silberfarbig
  • blau-rostrebhuhnfarbig

Noch nicht anerkannte Farbschläge

  • silberhalsige Orangerücken – bislang überwiegend in Großbritannien gezüchtet

Zwerg-Welsumer kaufen

Möchte man ein kleines Stämmchen Zwerg-Welsumer kaufen, muss man nicht lange suchen. Sowohl auf Kleintiermärkten, als auch beim örtlichen Kleintierzüchterverein findet man Züchter dieser Zwerghühner. Die Züchter freuen sich wenn sich jemand für diese besonderen Zwerghühner begeistert und helfen mit Rat und Tat weiter. Mit etwas Glück darf man sich die Zuchtanlage ansehen und bekommt so viele praktische Tipps zur Haltung und Pflege.

Findet man keinen Züchter in Wohnortnähe, lohnt sich eine Anfrage beim „Sonderverein der Welsumer und Zwerg-Welsumer Züchter Deutschland“. Hier kennt man viele Züchter und kann Kontakte vermitteln.

Gut zu wissen

  • Genau wie für Welsumer soll der Züchter auch für Zwerg-Welsumer auf wirtschaftliche Merkmale optimieren. Deswegen werden gelegentlich leistungsstarke kleine Hennen der Großrasse eingekreuzt. Das führt dazu, dass einige Zwerg-Welsumer größer geraten, als es der Rassestandard vorsieht.
  • Nicht nur in Deutschland, auch in England gab es Bemühungen, Welsumer zu verzwergen. In England flossen „Reds“ (Zwerg-Rhodeländer) und Alt-Englische Zwergkämpfer ein.
  • Der rost-rebhuhnfarbene Farbschlag der Zwerg-Welsumer tarnt die Zwerghühner gut, die dadurch im offenen Freilauf profitieren.
  • Einige Halter erklären Zwerg-Welsumer zur wirtschaftlichsten aller Zwergrassen.

Die Hühnerrasse Zwerg-Welsumer

Ursprünge der Zwerg-Welsumer

Im Jahr 1919 wurden Welsumer in den Niederlanden anerkannt. Sie verbreiteten sich zeitgleich in Deutschland. Erste deutsche Züchter begannen um 1930, die Großrasse zu verzwergen. Dieses gelang innerhalb von Jahren, die Anerkennung scheiterte jedoch zuerst am Dritten Reich. Neue Hühnerrassen waren unerwünscht. Erst 1947 gelang die Anerkennung der Zwerg-Welsumer.

Entwicklung der Rasse Zwerg-Welsumer

Paul Wagner aus Altenburg in Sachsen begann 1930 mit der Verzwergung der Welsumer. Eine kleinwüchsige Welsumer-Leistungshenne wurde mit einem rebhuhnfarbenen Deutschen Zwerghuhn-Hahn verpaart. Die F1 Hennen wurden mit einem Zwerg-Rhodeländer Hahn gekreuzt. Auch Zwerg-Italiener und Zwerg-Wyandotten sollen in den Anfängen eingeflossen sein.

Mit den ersten Nachkommen wurde weiter gezüchtet, um die Linie zu festigen, doch die Eier waren noch zu klein. Also wurde ein perfekter Zwerg-Welsumer-Hahn mit einer zierlichen Welsumer-Henne gekreuzt, die sich als sehr gute Legehenne ausgezeichnet hatte. In den Jahren 1936 bis 1938 kreuzte Max Ansorge aus Hamburg zudem Rhodeländer ein. Damit legten die Zwerg-Welsumer-Hennen endlich große braune Eier, womit die Rasse anerkennungsreif war.

Bereits 1934 wurden erste Zwerg-Welsumer 1,1 auf der Reichsschau in Leipzig ausgestellt und mit einem „erfolgversprechend“ gelobt. Der Hahn erhielt ein „gut“, die Henne ein „sehr gut“. Das motivierte die Züchter, doch dann mussten die Hühnchen zuerst den Zweiten Weltkrieg überleben, bis sie 1947 in Westdeutschland und 1948 in Ostdeutschland anerkannt wurden. Als Erzüchter gilt neben Paul Wagner und Max Ansorge auch Karl Meyer aus Ratingen. Erst im Jahr 1957 wurde für den Farbschlag rost-rebhuhnfarbig ein verbindlicher Rassestandard festgelegt.

Zuerst gab es nur den Farbschlag rost-rebhuhnfarbig. Durch eine Mutation im Jahr 1954 entstanden die orangen bei Albert Pesch in NRW. Diese wurden erstmalig 2,2 1964 in Wolfenbüttel ausgestellt und 1969 anerkannt. Silberfarbene wurden hingegen gezielt erzüchtet und 1998 anerkannt. Ab Mitte der 90er Jahre entstanden bei Dietmar Hammel in Brandenburg blau-rost-rebhuhnfarbene Zwerg-Welsumer. Die Anerkennung erfolgte im Jahr 2009. An weiteren Farbschlägen wird gezüchtet, weitere Anerkennungen dürften folgen.

Heutige Bedeutung der Zwerg-Welsumer

Neben Zwerg-Wyandotten sind Zwerg-Welsumer in Deutschland die beliebtesten Zwerghühner überhaupt. Die Zentrale Dokumentation Tiergenetsicher Ressourcen in Deutschland zählt für das Jahr 2016 bei 1266 Züchtern ganze 10890 Hennen und 2229 Hähne als Zuchttiere. Davon entfallen 8860 Hennen und 1766 Hähne auf den rost-rebhuhnfarbigen Farbschlag. Der orangefarbene und silberfarbene Farbschlag sind mit ca. 1000 Hennen und 200 Hähnen fast gleichstark. Der jüngste anerkannte Farbschlag blau-rostrebhuhnfarbig kam nur auf 100 Hennen und 21 Hähne.

Das sind lediglich die gemeldeten Zuchtbestände. Viele weitere Zwerg-Welsumer leben bei weiteren Haltern und beeindrucken diese nicht allein mit ihrer schönen Erscheinung. Die Hennen suchen fleißig nach Futter und legen viele Eier, die für eine Zwergrasse auffallend groß sind. Die Bruderhähne eignen sich mit ihrem hochwertigen Fleisch als Tafelhuhn.

Die wirtschaftlichen Eigenschaften machen Zwerg-Welsumer zu sehr gefragten Hühnern für Hobbyhalter, Selbstversorger und Züchter. Auch Aussteller erfreuen sich an den schönen Zwerghühnern, die auf keiner größeren Geflügelausstellung fehlen dürfen. Für die kommerzielle Hühnerhaltung sind die kleinen Hühnchen zum jetzigen Zeitpunkt eher uninteressant.

Auch in einigen anderen Ländern finden Zwerg-Welsumer ihre Anhänger. Seit 1950 werden Zwerg-Welsumer in den Niederlanden, dem Heimatland der Welsumer, gezüchtet.

Zuchtbemühungen und Maßnahmen zum Rassenerhalt

In Deutschland gibt es neben dem „Sonderverein der Welsumer und Zwerg-Welsumer Züchter Deutschland“ auch noch die „World Poultry and Bantam Association – Gruppe Zwerg-Welsumer“. Vermutlich gibt es weitere Züchtergemeinschaften, die sich dem gezielten Erhalt dieser beliebten Zwerghühner widmen. Denn auch mit relativ hohen Beständen müssen die Qualitäten der Hühnerrasse durch eine gezielte Zucht erhalten werden.

Neben der äußeren Erscheinung der Hühner kommt es vor allem auf die Verbesserung der wirtschaftlichen Eigenschaften an. Dabei darf jedoch nicht auf Gewicht gezüchtet werden, da Zwerg-Welsumer ein robustes mittelschweres Zwerghuhn bleiben sollen.

Zuchtziele der Zwerg-Welsumer

Trotz der kleinen Größe sollen Zwerg-Welsumer mit einer kräftigen Statur aufwarten. Die mittelschweren Zwerghühner mit mittelhoher Stellung entwickeln ein fest anliegendes Gefieder. Der gestreckte Rumpf ist in der Seitenansicht walzenförmig und wird waagerecht getragen. Der Körperbau soll langgestreckt wirken.

Zu den Kopfpunkten gehört ein einfacher Stehkamm mit tiefen gleichmäßigen Zacken, die Kammfahne folgt der Nackenlinie. Die roten Ohrlappen sind mandelförmig, die roten Kehllappen bleiben kurz. Das federlose Gesicht ist ebenfalls leuchtend rot. Der Schnabel erscheint hell-hornfarben, die Augen orange bis rötlich. Der Hals, Rücken und die nackten satt gelben Läufe sind von mittlerer Länge, die breite Brust wird gut gerundet ausgebildet. Die gut entwickelten und waagerecht getragenen Flügel liegen fest an.

Zwerg-Welsumer tragen ihren mittelgroßen Schwanz hoch, aber nicht steil. Hähne entwickeln reichlich Sattelbehang und gut gebogene Sicheln. Die Hähne haben an der Brust Federn mit drei Farbbereichen. Jede Feder ist am Federgrund blaugrau oder grauschwarz. Der Mittelbereich entspricht der Grundfarbe des Gefieders. Die Federn schließen mit einem blauen oder schwarzen Tupfen ab.

Das Gefieder der Hennen zeichnet sich hingegen durch eine „Pfefferung“ aus. Auf dem Gefieder erscheinen schwarze Pünktchen. Insgesamt wirken die Hennen mit hervorgewölbter Brust und vollem Legebauch noch kompakter als die Hähne.

Im Gesamtwesen sollen die Hühnchen robust, fleißig suchend und leicht zähmbar bleiben. Bereits die Küken sollen vital und lebendig wirken.

Kurz und bündig lauten die Zuchtziele:

  • Optimierung der Legeleistung
  • Erhalt von Erscheinung und Größe
  • Festigung vom anspruchslosen und robusten Wesen