Hühnerfutter

Hühnerfutter: alles, nichts - oder?

Das Huhn ist ein Allesfresser und in seinen Ernährungsvorlieben dem Schwein nicht unähnlich: Kohlenhydrate, Fette, tierische Eiweiße, Ballaststoffe in Form von Zellulose oder anderen Rohfasern, wie sie in frischem Gemüse, Obst und Gras enthalten sind. All dies schmeckt den Hühnern.  Und das macht ihre Ernährung gleichermaßen komplex wie auch einfach.

Einfach ist sie, wenn man keinen gesteigerten Wert auf Ertrag legt, die Hühner als Zeitgenossen, Unterhaltung oder Dekoration sieht, von der ab und an mal ein Ei abfällt. Solange die Ernährung vielfältig und ausgewogen ist, das heißt, solange sie alle wesentlichen Bestandteile, die der Hühnerkörper zum Selbsterhalt und zur Eiproduktion benötigt, enthält, steht einer Fütterung "nach Gefühl" nichts im Wege. Ungewürzte Küchenabfälle (Faustregel: nur, was man selbst noch essen kann, ohne krank zu werden), frische Gartenkräuter und ergänzend eine gute (!) Hand voll Körner genügen, um anspruchslose Hühner zu ernähren. Diese Variante sollten aber dennoch nur Hühnerhalter wählen, die mit der Materie Ernährung und den einzelnen Bestandteilen der Nahrung soweit vertraut sind und die ihren Hühnern Freilauf zur Vervollständigung der Nahrungskomponenten anbieten können.

Möchte man die Hühner aber unter geringem Eigenaufwand halten, um eine hohe Legeleistung oder gesunden Fleischansatz zu produzieren, ist die Wahl des richtigen, ausgewogenen, in der Regel industriell vorgefertigten, Hühnerfutters vermutlich naheliegend. Es besteht aus komplexen, wohl dosierten, in sich auf die ideale Ergänzung des Körpers hin zusammengesetzten Bestandteilen, deren Ziel es ist, entweder optimalen Zuchterfolg, raschen Fleischansatz oder optimierte Eiproduktion zu garantieren. Je nachdem, ob eine Erhaltungsfütterung   (zur Zucht) oder eine Leistungsfütterung (Wachstum, Legeleistung) angestrebt wird, kann die Zusammensetzung variieren.

Auch für die Kükenernährung in den ersten Wochen hält der Handel optimierten Kükenstarter bereit, der den Bedürfnissen der Jungtiere entgegen kommt. Kükenstarter sind so aufgebaut, dass die Partikelgröße für die Kükenschnäbel stimmt und dass ein optimales Gedeihen der Küken gefördert wird. Je nach Halterwunsch sind die sogenannten "Kükenstarter" mit Kokzidiostatika versetzt. Diese wirken, vor allem im Sommer und bei fehlender Kokzidienimpfung, einer Verseuchung des Kükenbestandes durch die unliebsamen Kokzidien entgegen.

Wer eine industrielle Grundversorgung der Hühner eher skeptisch betrachtet, kommt allerdings nicht umhin, sich mit den Bedürfnissen der Tiere intensiver auseinanderzusetzen, wenn sie gut versorgt werden sollen.

Die Vorlieben des Huhns beim Futter

Für Hühner kann es beim Essen nie genug sein. Deswegen ist es wichtig, die Menge, die zugefüttert wird, vor allem, wenn die Tiere im Freilauf Zugriff auf hochkalorisches Futter wie Obst oder gar den Kompost haben, im Blick zu behalten. Denn verfettete Hennen legen schlechter, was weder im Sinne der Zucht, noch der Ei-Gewinnung, noch des Gesamtgesundheitsstatus der Hühner sein dürfte.

Das Huhn: Physiker mit schlechtem Geschmack

Hühner haben nur wenige Geschmackszellen, sie sitzen vorwiegend im hinteren Schnabelbereich, im Schlund und im Rachen. Eine geschmackliche Vielfalt, wie sie dem Menschen beschert ist, ist dem Huhn fremd. Es unterscheidet zwischen den Grundgeschmäckern „süß“, „sauer“, „bitter“ und „salzig“, wobei beobachtet wurde, dass leicht bittere Geschmäcker (wie sie bei Klee, Löwenzahn und anderen Wildkräutern typisch sind) und leicht süßliche Geschmäcker wie von Obst und Beeren bevorzugt angenommen werden.

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Herbstäpfel....

Hühner würden Körner fressen

Weil der Geschmackssinn der Hühner als solcher nur wenig ausgeprägt ist, orientieren sich Hühner eher an physikalischen Größen: die Form, Partikelgröße, Beschaffenheit und letztlich auch die eigene Neugier bei der Auswahl des „richtigen“ Futters ist entscheidend. Alles, was leicht verzehrbar ist, also eine Größe von etwa 2mm mit abgeflachtem Rand und Kanten entspricht, ist zunächst interessant für das Huhn.

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Denn Hühner haben in ihrem Rachen, im Schnabel und auf der Zunge kleine Tastkörperchen, sogenannte Mechanorezeptoren, die ihnen durch das „Schnabelgefühl“ helfen, Essbares von Nicht-Essbarem zu unterscheiden. Diese Tastkörperchen, die in der Sensibilität den menschlichen Fingerspitzen gleichkommen, unterscheiden zwischen Genießbarem und Ungenießbarem. Brennesselblätter mit ihren Härchen, dornige Pflanzen wie die Karde (Igelkopf) oder der Borretsch sind für Hühner deswegen zunächst uninteressant. „Zunächst“ deswegen, weil die Brennessel beispielsweise nach dem Ernten ein beliebtes Zusatzfutter mit hohem Eiweißgehalt ist, sobald ihre Brennhaare abgestorben sind. Auch der Borretsch lässt sich beispielsweise gehackt als Kraut in Feuchtfutter einarbeiten.

 

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Frische Brennessel - abwarten und dann picken!

Dennoch: bei freier Auswahl an Grünfutter bevorzugen Hühner dickfleischige, glatte Blätter wie die des Löwenzahn oder des Klee. Sie widmen sich hingebungsvoll den Reisresten des Vortages und verschmähen auch herumliegende Äpfel und Zwetschgen nicht, aus denen sie schnabeloptimierte Happen picken.

Eine derartige Auswahl an Nahrung beugt auch, da das Huhn das Picken als artspezifische Eigenschaft besitzt, dem gegenseitigen, oft der Langeweile geschuldeten, Federpicken vor. Hat der Schnabel gut zu tun, ist dieser Trieb befriedigt, ohne, dass Artgenossen darunter leiden müssen, wie es unter engen, langweiligen und reizlosen Haltungsbedingungen der Fall ist.

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Zwetschgengarten - eine echte Spielwiese fürs Huhn