Hühnerrasse Brakel

Brakel
Entwicklung der Rasse Brakel

Ob die Brakel einst als gezielte Züchtung oder zufällig entstanden sind, kann nicht mehr zuverlässig geklärt werden. Es waren halt die Hühner der Bauern. Ab der Zeit um 1850 änderte sich das Interesse an diesen Hühnern, die einst als Unterrasse der Campiner bezeichnet und von Deutschstämmigen in Flandern gehalten wurden. Es war ein internationaler Trend entstanden, einen Rassestandard aufzustellen, die Hühner auf Linie zu züchten und andere Rassen aus fernen Gegenden zu importieren. In dieser Zeit gelangte das Brakel auch in den Norden Deutschlands, wo es dem Wetter besser als andere Hühner trotzen konnte.

Bereits ab 1880 gab es die Brakel auf deutschem Boden. Im Jahr 1895 erhielt der bekannte Geflügelzüchter Arthur Wulf Bruteier vom Brakel und war maßgeblich für die Verbreitung dieser Hühner im Norden von Deutschland verantwortlich. Nach 1900 war es der Rektor Breuer nahe von Köln, der sich diesem Huhn annahm. Im Jahr 1907 gründete sich in Bremen der „Club deutscher Brakelzüchter“ und 1910 in NRW der „Verein deutscher Brakelzüchter“. Bereits 1914 verschmolzen beide Vereine zum „Verein deutscher Brakelzüchter“. Deutschland hat seine eigenen Rassestandards und damit eine deutsche Linie der Brakel, die bereits in diesen Jahren durch diese verschmolzenen Vereine gefestigt wurde.

Einst wurden die Brakel in Massen in der Region zwischen Ninove, Qudenaarde und Geraardsbergen gezüchtet und auf den Märkten durch Bruteier und Hühner gehandelt. Dabei setzten die Züchter und die einzelnen Ortschaften ihre eigenen Schwerpunkte, womit Zweige der Brakel bereits eigene Namen erhielten. In der niederländischen Gemeinde Chaam sollten die Hühner orangene Augen bekommen, woanders sollten sie zum Fleischhuhn werden. Das alles wurde so unübersichtlich, dass bald kaum ein Tier noch die Rassestandards von 1898 erfüllen konnte. Mit dem ersten Weltkrieg landeten die meisten Brakel Hühner im Topf. Die anschließende Festigung war mit dem zweiten Weltkrieg wieder zunichte gemacht. Zugleich wurden fremde Rassen wie das Leghorn importiert und löschten die Brakel beinahe aus. 1968 waren fast keine Brakel mehr in Belgien zu finden. 1971 wurde ein neuer Spezialclub gegründet. Beim 25-jährigen Jubiläum waren es 1996 bereits 120 Mitglieder im Spezialclub.

Heutige Bedeutung der Brakel Hühner

Das einstige Leistungshuhn, welches viele Eier und einen besonders delikaten Braten liefert, ist in der heutigen Zeit wirtschaftlich kaum noch interessant. Es sind Selbstversorger, Hobbyhalter mit großer Fläche, Züchter und Aussteller sowie Erhaltungszüchter, die sich den Brakel Hühnern annehmen. Die belgische Linie ist zwischenzeitlich fast ausgestorben. Die deutsche Linie gilt als gefährdet oder stark gefährdet.

Brakel werden nie handzahm und sind deswegen keine Familien- oder Schmusehühner. Es sind Leistungshühner, die auf freier Fläche laufen und sich ihr Futter zum Großteil selber suchen. Es sind allerdings auch sehr schöne Hühner für Aussteller. Wer die Hühner nicht frei laufen lassen kann und keinen großen Auslauf einzäunen will oder kann, für den wären die Brakel ungeeignet.

Zuchtbemühungen und Maßnahmen zum Rassenerhalt

In Belgien gründete sich im Jahr 1971 zum zweiten Mal ein Spezialclub, der die Brakel erhalten soll. Es fanden sich vom belgischen Schlag nur noch fünf Brakel und es dauerte zehn Jahre, diese alte Haushuhnrasse wieder zu festigen und aufblühen zu lassen.

In Deutschland gründete sich bereits aus den Vorläufern von 1907 und 1910 im Jahr 1914 der „Verein deutscher Brakelzüchter“. In diesem Sonderverein werden die Brakel als deutsche Linie seither gezüchtet und damit erhalten. Dennoch stuft die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. das Brakel Huhn in der Kategorie III als gefährdet ein. Für das Jahr 2013 wurden als Zuchttiere 191 Hähne und 904 Hennen für die verschiedenen Farbschläge gezählt. So viele waren es bereits 1996, dann nahm der Bestand bis 2000 um über ein Drittel zu und viel bis 2008 wieder auf den Ausgangswert ab.

Die Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland zählt für 2016 jedoch nur noch 151 Hähne und 626 Hennen von 88 Züchtern und gibt ein „stark gefährdet“. Diese Zuchttiere teilen sich allein auf den silbernen und goldenen Farbschlag auf.