Kalkbeine

Kalkbeine: Krätze beim Huhn

Vor allem die ältere Generation wird Geschichten von der übel juckenden Krätze zu erzählen wissen, die nicht selten mit mangelnder Hygiene gleichgesetzt wird, durch diese aber dennoch nicht verhinderbar ist. Krätzemilben, Sarcoptes scabiei, sind nämlich, ganz im Gegnteil, scharf auf saubere Haut, in die sie ihre Gänge graben und die Eier legen können.  Ganz ähnlich verhält es sich auch mit der Unterart Knemidocoptes mutans aus der selben Familie, die landläufig auch als Kalkbeinmilbe oder Fußräudemilbe genannt wird. Diese Insekten legen ihre Eier in die obere Hautschicht der Hühnerfüße, was dort zu starken Beschwerden führt.

Neben den Sarcoptesmilben gibt es noch weitere Milbenarten, die Hühnern gefährlich werden können. Unter ihnen aus der Überfamilie der Cytoditoidea bedroht Cytodites nudus, die Luftsackmilbe, die Atmung der Hühner und alle Atemorgane, allen voran deren Luftsäcke. Rasselnde Atmung und schweres Luftholen sind Symptome für einen Befall, der nicht selten mit dem Tod endet.

Weniger belastend und vor allem nicht tödlich, ist die Knötchenmilbe Laminosioptes cystiola, die sich im Unterhautbindegwebe von Hühnern und Tauben aufhält. Sterben die Milben ab, verkalken sie im Körper des Wirts und bilden dort unschöne, aber ebenso ungefährliche, Knötchen.

Diagnose und klinisches Bild der Kalkbeinmilbe

Ist ein Huhn von der Krätzmilbe befallen, zeigt sich dies in der Regel durch borkige, weiße Schuppen und Verkrustungen, die an Kalkablagerungen erinnern. Hiermit haben sie allerdings nichts zu tun, im Gegenteil, der Begriff verharmlost die Erkrankung, denn unter den Milben leidet das Huhn.

Befallen Kalkbeinmilben die Hühner, so wird ihr Allgemeinbefinden durch die Dauerbelastung des Juckreizes geschwächt, sie beginnen, unter Bewegungseinschränkungen und Bewegungsmangel zu leiden.

Huhn mit fortgeschrittenen Kalkbeinen

Langzeitfolgen der Kalkbeinmilbe

Noch ungeklärt ist der Zusammenhang zwischen Organveränderungen bei Hühnern, die durch den Befall durch die Kalkbeinmilbe zu enstehen scheinen. Auch können an den befallenen Beinen weitere Ko-Erkrankungen entstehen, wenn sich Keime in der entzündeten Haut ansiedeln.

Prävention gegen die Kalkbeinmilbe

Eine Prävention gegen die Kalkbeinmilbe ist gänzlich kaum möglich. Wenn die Tiere viel (wünschenswerten) Freilauf haben, besteht immer die Gefahr eines Kontaktes mit den lästigen Ektoparasiten.

Im Stall selbst aber kann durch regelmäßiges Reinigen der Sitzstangen, ein gelegentliches Bestreichen der Stangen mit Öl, Petroleum (Achtung, Feuergefahr!) oder Diesel (Achtung, stinkt! Der Stall sollte dann zwei bis drei Tage unbewohnt sein!) das Lebensumfeld der Kalkbeinmilbe ungemütlich gemacht werden. Auch hilft es, von Zeit zu Zeit Milbenpräparate auf Geraniolbasis in die Stallritzen einzubringen oder diesen mit Kieselgur auszustäuben.

Akutbehandlung bei Befall durch die Kalkbeinmilbe

Alle unter dem Abschnitt "Prävention" angeführten Maßnahmen sollten umgesetzt werden, zudem benötigen die Hühner über den Zeitraum von zwei bis vier Wochen eine unterstützende Hautpflege durch Kriechöle (Ballistol), Sulfonamide (Achtung, Wartezeiten!) oder Sulfonamid-Lebertran-Fettsalbe.

Ehe die Salbe oder das Öl erstmalig aufgetragen werden, sollte der Stall gründlich gereinigt werden, die Hühnerfüße sollten in Seifenlauge aus Kernseife gewaschen und wenn möglich die ausgetrocknete Borke eingeweicht und sanft abgelöst werden. So werden bereits einige Räudemilben entfernt, die Haut wird belüftet und der Heilungsprozess schreitet schneller voran. Außerdem können die pflegenden Bestandteile der Salben, deren Fette die Atmungsorgane der Milben verschließen und so zu deren Tod führen, auf die belastete Haut der Hühnerständer einwirken.