Hühnerstall

Wer sich im privaten oder kleinlandwirtschaftlichen Rahmen zur Hühnerhaltung entschließt, hat meist vor, den Hühnern auch hinsichtlich ihres Hühnerstalls mehr zu bieten, als es die EU-Norm fordert. Sie sieht etwas weniger als einen Quadratmeter Scharrfläche für zehn Tiere vor.

Der Hobbyhalter oder Klein(st)landwirt hingegen will sich am Leben der Hühner freuen und ihnen entsprechend – gemäß dessen, was möglich ist – einen tadellosen Hühnerstall verschaffen. Wenn dies mit einer Hand voll Eiern und am Ende eines glücklichen Lebens vielleicht noch mit einem guten Braten gedankt wird, freut man sich umso mehr. Je nach Spielfreude des Halters lässt sich auch bei der Behausung gestalterisch einiges machen. Hühnerstall ist nicht gleich Hühnerstall…. und oft gibt es kein „richtig“ oder „falsch“.

Zunächst aber:

Das Nötige rund um den Hühnerstall

Abhängig von Besatz und Rasse benötigt man als Neuhalter einen entsprechenden Hühnerstall, der den Ansprüchen des Huhns und in der Praktikabilität denen des Halters genügt.

Bodenfläche und Scharr-Raum: die Basis des Hühnerstalls

Die minimale Bodengrundfläche des Hühnerstalls für möglichst artgerechte Haltung beträgt etwa einen Quadratmeter für einen Bestand von vier mittelschweren Legehennen. Das ist nicht viel, reicht aber, insbesondere, wenn man über Zwerghuhnhaltung nachdenkt, grundsätzlich aus, sofern die Tiere Freigang haben. Diese Boden- oder Scharrfläche sollte mit Material ausgestreut sein, das den natürlichen Scharrtrieb der Hühner nach kleinen Leckerbissen im lockeren Erdreich befriedigt: es eignen sich Hanfhäckseleinstreu, Strohhäcksel, Torf-Sand-Gemische und Holzspäne. Bei größeren, tief gebauten Hühnerställen kommt auch die sogenannte Deep-Litter-Method (Tiefeinstreu aus Erde) in Frage.

Beim Bau des Hühnerstalls gilt: je größer, desto besser!

Baumaterial und Stallgestaltung: Woraus besteht der Hühnerstall?

Ob die Wände der Stallung aus Holz, aus Stein oder aus Plastik sind, ist den Hühnern reichlich egal. Je nach Baurecht und örtlicher Begebenheit kann man sich einen Hühnerstall auf ein Betonfundament bauen oder auch eben nicht.

Auch eine Dämmung ist nicht zwingend nötig und hängt von Standort des Stalls, der Besatzdichte im Hühnerstall und der Lüftung der Stallräumlichkeit ab. Allerdings bringen die unterschiedlichen Baumaterialien ihre entsprechenden Vor- und Nachteile mit sich. Wichtig für das Hühnerglück im eigenen Hühnerstall ist allerdings Licht. Eine entsprechende Fenstergestaltung muss deswegen beim Bau eingeplant werden. Auch ist zu überdenken, ob elektrisches Licht im Stall hilfreich ist. Letzteres ist aber kein „Muss“ für ein glückliches Hühnerhalten.

Tipp zum Bau des Hühnerstalls

Es gibt komplett überdachte Kleinstställe aus Holz und Drahtgeflecht, bei denen der Auslauf gewissermaßen der Unterbau der eigentlichen Stallfläche ist. Der Hühnerstall ist dann quasi ein zweigeschossiges (Zwerg-)huhnappartement.

Das Bildbeispiel stellt hierfür eine minimale Notlösung dar und ist eigentlich nur als Gluckenstall geeignet, größere Möglichkeiten ähnlicher Bauart sollten erwogen werden.

Doppeldecker Hühnerstall/ Gluckenstall

Der Vorteil solcher Hühnerställe in Doppeldeckerbauart ist, dass es den Hühnern auch bei einer sogenannten Aufstallungspflicht, wie sie vom Seuchenschutz beispielsweise während der Vogelgrippe verhängt wurde, nicht zu eng wird und ein gewisses Maß an Freiraum stets möglich ist. Wer einen kleineren Bestand plant und/ oder gerne einmal in Urlaub fährt, sollte diese Möglichkeit beim Bau des Hühnerstalls in Betracht ziehen.

Der Nistbereich: Herz des Hühnerstalls

Zwingend nötig, ob mit oder ohne Hahn in der Herde, ist ein Nistbereich im Hühnerstall, in dem die Damen des Hauses ihrem produzierenden Tagewerk nachgehen können. Da ein Huhn, je nach Rasse und Lebensphase, bis zu einem Ei täglich legt, ist der Nistplatz auch ohne geplante Kükenzucht ein Kernstück der Stallung. Die geschickte Platzierung der Nester im Hühnerstall sorgt für entspannte Hennen, die das Nest anderen Legeplätzen gegenüber bevorzugen.

Lege- und spätere Brutnester sollten geschützt, leicht abgedunkelt und zugluftfrei liegen.

Befinden sie sich auf der untersten Ebene im Hühnerstall, sollten sie dennoch erhöht werden, damit das Reinigen weniger aufwändig ist, das Nest nicht zu leicht verschmutzt wird und der Bereich unter dem Nest wiederum so hell ist, dass er nicht zum Eierlegen reizt.

Bringt man die Nester an der Stallinnenwand des Hühnerstalls erhöht an, ist darauf zu achten, dass sich unmittelbar vor dem Nest eine Anflugstange für die Hühner befindet.

Nestboxen und Minimalmaße

Auch eine angebaute Nestbox an der Stallaußenwand eignet sich, insbesondere bei kleinen Hühnerställen, um Innenraum zu sparen. Auch gibt es im Landhandel vorgefertigte Fallnester, die das Ei aus dem Nest auf einer schiefen Ebene abrollen lassen, um der Unsitte des Eifraßes entgegen zu wirken. Auf einer darunter liegenden, gepolsterten Schicht wird das Ei dann aufgefangen. Gegebenenfalls wird auch die Henne im Nest „eingesperrt“, um dem Halter eine zweifelsfreie Zuordnung von Ei zu Huhn zu ermöglichen.

Die Maße solcher Fallnester oder Kontrollnester für den durchschnittlichen Hühnerstall sind je nach Bauart ab etwa 25x40x35 cm und können als Minimalmaße für etwa vier Hennen, die sich ein Nest teilen, gelten. Die Kontrollnester bedürfen allerdings einer regelmäßigen Inspektion, damit die Hennen nicht zu lange in ihnen gefangen sind.

Die Variationen an Nestern sind schier endlos, wichtig ist aber, dass die Hennen sich in ihrem Hühnerstall geborgen und sich vor allem sicher beim Legen fühlen.

Weinkiste als Nest

Weinkiste als Nest

Tipp zum kreativen und günstigen Nistbereich im eigenen Hühnerstall

Wer es ausgefallen mag und die Zuordnung von Ei zu Huhn nicht ganz genau nimmt, kann alles mögliche zum Nest umfunktionieren – von der Holzweinkiste bis zum ausrangierten Autoreifen ist alles denkbar. Auch eignen sich stabile Pappkartons, die schnell verbrannt sind, falls der Verdacht auf Milbenbefall im Bestand oder im Hühnerstall aufkommt.

Mit den Hühnern auf die Stange: Schlafenszeit im Hühnerstall

Unabdingbarer Bestandteil eines Hühnerstalls ist die Sitzstange, die die Hühner zum abendlichen Aufbaumen benötigen. Dieses Schlafen auf der Stange ist ebenfalls arttypisches Verhalten und muss der ganzen Hühnerherde ermöglicht werden. Man rechnet etwa 25 cm Stangenlänge je Huhn, was auch wegen der sich anhand des Schlafplatzes zeigenden Sozialordnung der Hühnergruppe das absolute Minimum sein sollte. Ideal sind zwei höhenversetzte Sitzstangen mit dreißig bis vierzig Zentimeter Abstand, die die Sozialordnung im Hühnerstall unterstützen und auch bei Rang-Hackereien Distanz zwischen den Tieren schaffen.

Schlafstangen im Hühnerstall

Schlafstangen im Hühnerstall

Die Stangen selbst sollten an den Kanten abgerundet, dennoch aber nicht blank gehobelt rund sein, da der Hühnerfuß sich beim Abkippen nach hinten quasi an der Stange verhakt, damit die Tiere nicht herunter fallen. Sind die Kanten jedoch zu rechtwinklig, entwickeln sich am Hühnerfuß Geschwüre.

Tipp für die Sitzstange im artgerechten Hühnerstall

Ideal, ganz gemäß der natürlichen Schlafgewohnheit der Wildhühner im Baum, sind unbehandelte dickere Äste, sofern sie sich praktikabel in den vorhandenen Hühnerstall einbauen lassen.

Kotbrett oder Kotgrube: Wohin mit dem Mist?

Unterhalb der Schlafstange sollte sich zum Schutz der Einstreu und des weiteren Stallbereichs ein Kotbrett befinden. Da die Hühner nachts am meisten abkoten, erleichtert dieses Kotbrett dem Halter die Reinigung des Hühnerstalls erheblich. Anstatt alle ein bis zwei Tage die Bodeneinstreu reinigen zu müssen, beschränkt sich die Säuberung auf das Kotbrett.

Ist dieses beschichtet, zum Beispiel eine alte Küchenarbeitsplatte, lässt es sich von Zeit zu Zeit sogar recht sauber abspritzen.

Für den täglichen Gebrauch bietet es sich an, dieses mit alter Zeitung auszulegen.

Bei einem dichteren Bestand im Hühnerstall lohnt es sich, über eine sogenannte Kotwanne oder Kotgrube nachzudenken, in der der Kot unter der Stange gesammelt wird. Mit einem Drahtgeflecht, dem Kotgrubengitter, überspannt, verhindert dieses den Kontakt der Tiere mit dem abgesetzten Kot. Hierdurch lassen sich Re-Infektionen, beispielsweise mit Kokzidien, gut unterbinden, auch reduziert sich die allgemeine Keimbelastung im Hühnerstall.

Tipp zum Kotbrett

Wer sich vor der Anschaffung einer Kotgrube mittels eines Kotbretts erst einmal einen Überblick über das anfallende Volumen an Ausscheidungen verschaffen möchte oder nur wenige Tiere hält, kann sich die Reinigungsarbeit durch eine dünne Schicht Spielsand auf dem Brett erleichtern. Die Ausscheidungen lassen sich so vergleichsweise einfach und ohne anzukleben abfegen. Zudem lockert der Sand das Gesamtvolumen auf, sofern man den Hühnerdung später im Garten als Pflanzendünger verwenden möchte.